Ölpreise
Opec will Preis nach oben treiben

Eine Erdölraffinerie bei Dhahran im Osten von Saudi-Arabien. Bild: dpa

Lange waren Treffen der Ölförderländer eine Veranstaltung ganz nach dem Geschmack der Autofahrer: Mangels Einigkeit kam es nicht zu Förderkürzungen. Die Ölschwemme sorgte für eher moderate Preise an der Zapfsäule. Das scheint jetzt fürs Erste vorbei.

Wien. Es ist erst knapp acht Monate her, da endete ein Treffen der Ölförderländer in einem Fiasko. In Doha, der Hauptstadt des ölreichen Katars, scheiterte im April der erste Versuch zwischen Opec- und Nicht-Opec-Ländern wie Russland, sich zumindest auf ein Einfrieren der Produktionsmenge zu einigen. Es schien der "Anfang vom Ende der Opec", wie Analysten damals meinten. Zu zerstritten waren die 14 Mitgliedsländer, darunter die Erzrivalen Saudi-Arabien und der Iran. Das Überangebot von Öl auf dem Weltmarkt sorgte weiter für Freude bei Autofahrern und Heizöl-Käufern. Jetzt ist alles anders. Warum? Antwort: Der Leidensdruck ist zu groß geworden. Katars Ölminister und Opec-Präsident Mohammed Bin Saleh Al-Sada meinte zum Auftakt des Wiener Treffens unverblümt: "Der Erholungsprozess im Ölmarkt hat viel zu lange gedauert. Das hat schwerwiegende Folgen für Produzenten wie Konsumenten." Die massiven Umsatzverluste in der etwa zweijährigen Phase dramatisch fallender Preise führten zu schweren Einschnitten in das soziale Netz der Golfstaaten. Der niedrige Ölpreis trage auch auf der Seite einiger Kunden-Länder zu einer negativen wirtschaftlichen Entwicklung bei. Deflation und niedrige, manchmal gar negative Zinsen hätten ihre Ursache auch in einem niedrigen Ölpreis, so Al-Sada.

Die Opec wollte erst mit einer Ölschwemme die teuer produzierende Schieferöl-Konkurrenz aus den USA aus dem Markt drängen. Nun schwenkt sie im bemerkenswerten Schulterschluss mit Nicht-Opec-Ländern um. Russlands Energieminister Alexander Nowak sprach vor dem Treffen von einem "Fenster der Gelegenheit" - und war danach fest entschlossen, den nun gemeinsam eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Das klamme Russland, mit rund elf Millionen Barrel am Tag knapp vor Saudi-Arabien größter Ölproduzent der Welt, will seine Einnahmen dringend erhöhen. Die Zusammenarbeit zwischen den 13 Opec-Mitgliedern - Indonesien hat seine Mitgliedschaft jüngst auf Eis gelegt - und dem Kreis der Nicht-Opec-Staaten soll gar institutionalisiert werden. Unter dem Motto "... das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft" schwärmten beide Seiten vom "historischen Schritt", der eine langfristige Kooperation begründen soll. Das dürfte ein starkes, preistreibendes Signal für den Markt sein.

"Die Dramaturgie war sehr gelungen", meint Alexander Pögl vom Forschungsinstitut JBC. Erst habe die Opec am 30. November mit ihrem Beschluss zur Verringerung der Ölproduktion um 1,2 Millionen Barrel (je 159 Liter) am Tag einen Schritt gesetzt - und nicht einmal zwei Wochen später folge diese Vereinbarung über die Kürzung von 558 000 Barrel am Tag vonseiten der Nicht-Opec-Länder als weiteres Zeichen der Handlungsfähigkeit der Ölstaaten.

Ob die Ölschwemme wirklich abebbt, ist fraglich. Musterknabe Russland mit der dicksten Reduzierung um 300 000 Barrel täglich bleibt mit dann 10,9 Millionen Barrel trotzdem dicht unter Rekordniveau. Moskau drosselt auch weniger stark als die Opec-Staaten im Schnitt. "Es geht auch nicht gleich im Januar mit 300 000 Barrel los", sagte Nowak. In einem allmählichen Rückgang wolle man Ende März bei 200 000 Barrel sein, bei der vollen Reduzierung erst im April oder Mai. Dann ist das vereinbarte halbe Jahr reduzierter Förderung schon fast herum.

Was das alles für Autofahrer und Besitzer von Ölheizungen bedeutet, ist zumindest mittel- und langfristig noch schwer überschaubar. Eine anhaltende Rückkehr zu Ölpreisen jenseits der 60 Dollar-Marke - derzeit liegen sie bei rund 55 Dollar pro Barrel - scheint unwahrscheinlich. Zu groß ist das Ölangebot auf dem Weltmarkt - noch. Aber die Ölstaaten ziehen deutlich wie lange nicht an einem gemeinsamen Strang.

Der Erholungsprozess im Ölmarkt hat viel zu lange gedauert. Das hat schwerwiegende Folgen für Produzenten wie Konsumenten.Bin Saleh Al-Sada, Katars Ölminister und Opec-Präsident Mohammed
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