Onlinehandel boomt
Paketflut zwingt Logistiker zum Ausbau

Ein Mitarbeiter von Hermes legt in der größten deutschen Hauptumschlagsbasis der Hamburger Logistik-Gruppe in Friedewald (Kreis Hersfeld-Rotenburg) ein Paket auf das Fließband. Bild: Uwe Zucchi/dpa

Wer seine Paketnetze nicht ausbaut, gerät in die Defensive. Der blühende Onlinehandel treibt die Zusteller zur massiven Erweiterung ihrer Infrastruktur an. Die Post startet jetzt den Bau eines weiteren riesigen Paketzentrums in Bochum. Auch die Konkurrenz rüstet auf.

Bonn/Köln. Für die Paketdienstleister sind sie das Rückgrat im Paketgeschäft - die großen Logistik- und Paketzentren. In den Regionen fungieren sie als Verteilstellen in einem eng geknüpften Spinnennetz, an dessen Ende die letzte Meile zum Kunden steht - private Haushalte und Gewerbetreibende. Doch die Paketzentren ächzen unter einer Dauerlast, denn der boomende Onlinehandel drückt immer mehr Waren in die Netze.

Hohe Investitionen

"Die Infrastruktur muss optimiert werden", beschreibt Ingo Bertram vom Paketdienstleister Hermes die Lage. Das Unternehmen ist eine Tochterfirma des Otto-Versandes und gehört zu den größten Konkurrenten des Branchenprimus Deutsche Post DHL. "Wir haben im Sommer Mengen auf den Fahrzeugen, die bereits dem Volumen des vorangegangenen Weihnachtsgeschäftes entsprechen." Erst im April hatten die Hamburger in Bad Rappenau in der Nähe von Heilbronn ein neues Logistikzentrum eröffnet. Dort können bis zu 25 000 Sendungen pro Stunde sortiert werden. Der Ausbau gehört zu einem umfassenden Investitionsprogramm zur Erweiterung des Paketnetzwerkes. Bis Ende 2019 will das Unternehmen dafür rund 300 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Das größte und modernste Paketzentrum in Deutschland ist seit gut einem Jahr in Obertshausen bei Frankfurt in Betrieb. Die Deutsche Post hatte hier einen neuen Standort eröffnet - es ist das 34. Paketzentrum des Unternehmens. Doch bei den Bonnern geht es weiter Schlag auf Schlag: Jetzt startet das Unternehmen auf dem ehemaligen Opel-Werksgelände in Bochum den Bau eines weiteren großen Paketzentrums. Wie in Obertshausen sollen hier bis zu 50 000 Pakete pro Stunde sortiert werden können und 600 neue Jobs entstehen. Insgesamt hat die Post nach eigenen Angaben in den vergangenen sechs Jahren rund 750 Millionen Euro in den Ausbau ihres Paketnetzes gesteckt. Das Unternehmen investiere kontinuierlich in die Paket-Infrastruktur, um das steigende Volumen zustellen zu können, betont eine Sprecherin.

Tatsächlich tun die Logistikfirmen alles, um weiter vom Boom des Onlinehandels zu profitieren. "Wir kämpfen um jedes Paket", lautet die Devise von Jürgen Gerdes, im Postvorstand für Briefe, Pakete und E-Commerce zuständig. Doch der gelbe Riese kann die Paketflut allein kaum stemmen. Die neuesten Zahlen der Studie über den Kurier-, Express- und Paketmarkt (KEP) verdeutlichen die Entwicklung.

Kräftiger Anstieg erwartet

Im Jahr 2021 werde das Sendevolumen, getragen hauptsächlich vom Paketversand, auf über 4 Milliarden ansteigen, eine Milliarde mehr als im vergangenen Jahr. Bei den B2C-Lieferungen, also das Geschäft mit Privatkunden, lag der Zuwachs 2016 bei Plus 13 Prozent. Handelsverbände wie der HDE oder der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel erwarten in diesem Jahr ein Plus von 11 Prozent.

Gleichzeitig kommen neue Herausforderungen auf die Paketdienstleister zu: Neue Wettbewerber wie Internethändler drängen auf den Markt und neue Geschäftsmodelle entstehen. Kein Wunder, dass sich die Unternehmen wappnen wollen für die Zukunft. Seit fünf Jahren rüstet die GLS - Tochterfirma der britischen Royal Mail - ihr Netz auf, um das steigende Volumen bewältigen zu können. Und DPD will noch in diesem Herbst ein neues Sortierzentrum in Steinen in der Nähe von Lörrach an der schweizerischen Grenze ans Netz nehmen.
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