28.03.2018 - 20:04 Uhr
Deutschland & Welt

Preisdruck aus China zu groß Solarworld nach Neustart wieder pleite

Nur acht Monate nach seinem Neustart aus der Insolvenz ist Deutschlands letzter großer Solarzellen-Hersteller Solarworld erneut pleite. Der Preisdruck aus China hat den Bonnern keine Chance gelassen.

Der Vorstandsvorsitzende von Solarworld, Frank Asbeck, hatte 2017 noch versucht, die deutschen Werke zu retten. Bild: Oliver Berg/dpa
von Agentur DPAProfil

Bonn. Ein Solarworld-Sprecher bestätigte am Mittwoch, dass beim Bonner Amtsgericht ein Insolvenzantrag gestellt wurde. Betroffen sind rund 600 Mitarbeiter in den Werken im sächsischen Freiberg, in Arnstadt in Thüringen und in der Bonner Verwaltungszentrale mit 45 Beschäftigten. Der Bonner Insolvenzanwalt Christoph Niering wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Er muss entscheiden, ob die Produktion weiterläuft. Dafür ist eine positive Perspektive für die Fortführung des Betriebs erforderlich. Aktuell produziert Solarworld nach Einschätzung von Branchenkennern mit roten Zahlen.

Solarworld leidet unter den extrem niedrigen Preisen der chinesischen Konkurrenz für Solarmodule. Solarworld und der Verband europäischer Solarhersteller EU-ProSun sprechen von staatlich gefördertem Preisdumping. Zwar gelten EU-weit Mindestpreise. Sie würden aber bei mehr als der Hälfte der Importe unterlaufen, sagte ein EU-ProSun-Sprecher. Zudem plane die EU, die Anti-Dumpingmaßnahmen im September auslaufen zu lassen. Zusätzlich belastet wurde der Solarworld-Start durch neue US-Importzölle. Seit Jahresbeginn würden 30 Prozent auf Solar-Importe erhoben, und anders als beim Stahl gebe es für die Solarproduzenten keine Ausnahmeregelungen, sagte der EU-ProSun-Sprecher.

Solarworld hatte bereits im vergangenen Mai unter dem Druck der China-Konkurrenz Insolvenz anmelden müssen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten gut 3000 Menschen in dem Unternehmen, das einst als Vorzeigebetrieb der deutschen Energiewende galt und von vielen umweltbewegten Privatinvestoren unterstützt wurde. Firmengründer Frank Asbeck hatte 2017 mit eigenem Geld und finanzieller Unterstützung aus Katar die deutschen Werke aus der Insolvenz übernehmen und vorläufig retten können. Nun sieht es auch für den Rest von Solarworld düster aus.

Die vorherige Insolvenz habe dem Ruf von Solarworld geschadet und den Start des Unternehmens erschwert, hieß es aus Branchenkreisen. Vertriebsmitarbeiter mit guten Kontakten hätten zur Konkurrenz gewechselt, Lieferanten auf Vorkasse für Produkte bestanden. Angesichts der erneut "abgeschmierten Preise" auf den Weltmärkten habe das Management offenbar keine Chance mehr gesehen. Solarworld-Zellen gelten als qualitativ hochwertig, aber auch teurer als im Marktschnitt. Bei privaten Bauherren gebe es ausreichend Nachfrage für die Solarworld-Produkte, hieß es. Bei gewerblichen Solarparks, die stärker auf den Preis schauten, sei Solarworld zu wenig zum Zug gekommen. Die Zukunft des Unternehmens gilt als offen. Möglich ist die Übernahme durch einen Konkurrenten, möglicherweise sogar aus China, oder die Schließung und der Verkauf des Solar-Knowhows und der Anlagen in den Fabriken in Sachsen und Thüringen.

Ein komplettes Verschwinden des Unternehmens vom Markt wäre nach Einschätzung von Fachleuten ein Rückschlag für den Wirtschaftsstandort, weil dann Anwendungsmöglichkeiten für die deutsche Solarforschung verloren gingen.

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