Problem für Prosieben-Sat1
Weniger Geld mit TV-Werbung verdient

München. Die schwache Entwicklung der Fernsehwerbung hat die Aktien von Prosieben-Sat1 am Dienstag einbrechen lassen. Der Münchener Medienkonzern überraschte die Börse mit der Botschaft, dass der Umsatz seiner Fernsehsender im laufenden Quartal schrumpft und der deutsche TV-Werbemarkt im Gesamtjahr stagnieren dürfte. Die Aktie fiel um rund 14,5 Prozent und notierte damit wieder auf dem Stand von Oktober 2014. Im Sog gaben auch die Aktien des Konkurrenten RTL und des deutschen Werbevermarkters Ströer stark nach.

Die weltgrößte Werbeholding, die britische WPP und die französische Havas, hatten ihre Umsatzprognosen für das laufende Jahr kürzlich gesenkt. Dass sich die TV-Werbetrends von guten Konjunkturdaten entkoppeln, "ist eine neue Entwicklung", kommentierte Analyst Marcus Diebel von JPMorgan. DZ-Bank-Analyst Harald Heider und Thomas Nötting, Leitender Redakteur des Fachmagazins "Werben & Verkaufen", verweisen auf das Internet. "Einige Werbekunden geben inzwischen einen Großteil ihres Budgets für Werbung bei Google aus", sagte Nötting. "Werbekunden investieren schon seit geraumer Zeit weniger in gedruckte Medien und - das ist jetzt neu - offenbar auch weniger in Fernsehwerbung." Obwohl Fernsehwerbung für große Reichweiten weiter wichtig sei, scheine es eine starke Verlagerung der Werbung zu den digitalen Medien zu geben.

Prosieben-Sat1 bekräftigte allerdings seine letzte Jahresprognose: Mit den stark wachsenden Internet-Portalen und Online-Geschäften soll der Umsatz deutlich steigen und das Betriebsergebnis über Vorjahr liegen. Auf hausgemachte Probleme weist aber die Abwertung des Programmvermögens um rund 300 Millionen Euro hin.
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