10.01.2017 - 02:10 Uhr
Deutschland & Welt

Problem Skimming Mehr Datenklau an Geldautomaten

Datendiebe haben an Geldautomaten in Deutschland wieder häufiger zugeschlagen. Trotz moderner Technik verursacht "Skimming" nach wie vor Millionenschäden - auch wenn die Summe seit Jahren sinkt. An anderer Stelle allerdings sind Bankkunden noch mehr gefährdet.

Mit einer Mini-Kamera wird das Tastenfeld eines Bankautomaten beobachtet: Durch die Manipulation kann die PIN von Bankkunden ausgespäht werden. Archivbild: dpa
von Agentur DPAProfil

Frankfurt. Kriminelle haben mit dem Ausspähen sensibler Daten von Bankkunden auch 2016 einen Millionenschaden angerichtet. Doch mit gut 1,9 Millionen Euro sank der Bruttoschaden durch "Skimming"-Angriffe nach Angaben der Frankfurter Einrichtung Euro Kartensysteme auf ein Rekordtief - und das, obwohl Datendiebe entgegen dem Trend der Vorjahre bundesweit wieder mehr Geldautomaten (159) manipulierten, um an Kartendaten und Geheimnummern (PIN) zu kommen. Dagegen wurden 2015 118 Fälle an Geldautomaten gezählt - der Schaden summierte sich auf insgesamt 2,7 Millionen Euro.

Zu einem größeren Problem hat sich dagegen der Diebstahl und Verlust von Zahlungskarten entwickelt: 12 373 (Vorjahr: 12 669) Fälle wurden vergangenes Jahr gezählt, der Bruttoschaden erhöhte sich dabei binnen Jahresfrist von 15,1 Millionen Euro auf 15,7 Millionen Euro. Weil oft mit diesen Originalkarten und korrekter Geheimnummer an Geldautomaten Bargeld gezogen wird, gehen Experten davon aus, dass viele Verbraucher nach wie vor - entgegen aller Warnungen - Karte und PIN zusammen im Geldbeutel aufbewahren.

Beim "Skimming" an Geldautomaten schlugen Kriminelle im laufenden Jahr in sieben von zehn Fällen in Berlin zu. In Ostdeutschland gab es ansonsten kaum "Skimming"-Angriffe. Auf Platz zwei rangiert der Stadtstaat Hamburg mit 15 Fällen, vor Nordrhein-Westfalen und Hessen mit jeweils 7 manipulierten Automaten.

Dass die Schadenssumme beim "Skimming" seit Jahren sinkt, erklären Experten vor allem mit moderner EMV-Technik. EMV-Karten sind mit einer Art Mini-Computer ausgestattet: Der Datensatz wird dabei verschlüsselt, die Karte bei Gebrauch auf Echtheit geprüft - und zwar bei jedem Einsatz sowohl am Geldautomaten als auch an der Ladenkasse. In Deutschland sind seit Ende 2010 alle 100 Millionen Girocards mit EMV-Chip ausgestattet, ebenso sämtliche Geldautomaten (60 000) und 720 000 Terminals im Handel.

Weil sich die EMV-Technik weltweit zunehmend durchsetzt, müssen Kriminelle weit reisen oder gut vernetzt sein, um mit in Deutschland gestohlenen Bankdaten zu bezahlen. Kartendubletten funktionieren nur noch dort, wo Bezahlkarten mit leicht kopierbaren Magnetstreifen ausgerüstet werden. Im vergangenen Jahr stellte Euro Kartensysteme vor allem in den USA und Indonesien Umsätze mit hierzulande geklauten Daten fest. Euro Kartensysteme kümmert sich im Auftrag der deutschen Kreditwirtschaft um das Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten.

Die gute Nachricht für Verbraucher: Wer Opfer von "Skimming" geworden ist, muss meist keinen finanziellen Nachteil fürchten. Banken und Sparkassen ersetzen in der Regel daraus resultierende Schäden, wenn Verbraucher sorgfältig mit Bankkarte und PIN umgegangen sind.

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