Putzfrauen als Wirtschaftsfaktor
Die Nachfrage nach Haushaltshilfen boomt

Der Bedarf an Haushaltshilfen ist enorm gestiegen - die Wertschöpfung aus deren Löhnen, Steuern und Sozialabgaben auch. Bild: Silvia Marks/dpa

Bochum. Haushaltshilfen entwickeln sich nach einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) zunehmend zum Wirtschaftsfaktor. Die Wertschöpfung aus Löhnen, Steuern und Sozialabgaben der als Minijobber angemeldeten Kräfte habe sich von 2006 bis 2016 auf rund 760 Millionen Euro mehr als verdoppelt, heißt es in der Untersuchung im Auftrag der Minijob-Zentrale. Aktuell sind mehr als 300 000 Haushaltshilfen als Mini-Jobber angemeldet, 2006 waren es noch rund 130 000.

Angesichts immer höherer Anforderungen im Job und der gleichzeitigen Alterung der Gesellschaft wachse der Bedarf an Hilfe im Haus deutlich, heißt es in der Studie. Rund 40 Prozent aller Haushalte wünschten sich derzeit eine Haushaltshilfe. Nur knapp 9 Prozent beschäftigten aber gelegentlich oder regelmäßig Hilfskräfte. Die Differenz zeige ein gewaltiges Potenzial. "Haushaltsnahe Dienstleistungen sind ein Wachstumsmarkt von großer ökonomischer Bedeutung", sagte Heinz-Günter Held, der Direktor der Knappschaft-Bahn-See, die die Minijob-Zentrale führt. Die Haushaltshilfen kurbeln die Wirtschaft an. Mindestens zwei Drittel des verdienten Geldes würden sofort wieder ausgegeben und sorgten damit für Extraeinnahmen beim Staat und in der Wirtschaft, sagte der Linzer Volkswirt Prof. Friedrich Schneider.

Zwar ist die Schwarzarbeitsquote immer noch hoch; sie liege bei rund 80 Prozent, heißt es in der Studie. Das entspricht 2,7 bis 3 Millionen Haushaltshilfen ohne Anmeldung. Damit entgehen dem Staat weiter Jahr für Jahr Einnahmen in Milliardenhöhe. Die Zahl der illegal beschäftigten Helfer hat sich aber nach den IW-Berechnungen in den zehn Jahren bis 2016 um etwa 657 000 verringert. Bei Schwarzarbeit droht den Arbeitgebern ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro. Außerdem könnten sie bei Arbeitsunfällen haftbar gemacht werden. Das könne im Extremfall bis zur Rentenzahlung für Unfallopfer gehen, sagte ein Sprecher der Minijob-Zentrale.

Die Zentrale versucht, Arbeitgebern mit einem einfachen Anmeldeverfahren die legale Beschäftigung schmackhaft zu machen. Der Staat lockt mit finanziellen Anreizen: So zahlen private Arbeitgeber für Minijobber nur halb so viel Steuern und Abgaben wie in der gewerblichen Wirtschaft und können bis zu 510 Euro der Kosten von der Steuer abziehen.
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