04.07.2017 - 20:22 Uhr
Deutschland & Welt

Rasierer-Hersteller Gillette und Wilkinson streiten sich vor Gericht Die Klingen gekreuzt

Die Rasierer-Hersteller Gillette und Wilkinson streiten sich vor Gericht: Es geht um preisgünstige Ersatzklingen für einen weit verbreiteten Nassrasierer von Gillette, um Patentrecht und um viel Geld.

Produkte von Wilkinson und Gillette liegen auf einem Tisch. Bild: Federico Gambarini/dpa
von Agentur DPAProfil

Düsseldorf. Wer sich gerne nass rasiert, kennt das Spiel: Der Rasierer ist billig. Die Ersatzklingen sind teuer. Denn damit verdienen die Hersteller - in Deutschland sind das meist Gillette oder Wilkinson - am Ende ihr Geld. Doch die Besitzer des Gillette-Modells "Mach3" konnten sich in den vergangenen Wochen freuen. Bei immer mehr Handelsketten gab es "Mach3"-kompatible Ersatzklingen, die als Eigenmarken billiger waren als das Originalzubehör. Was viele Verbraucher freute, ärgert Gillette. Der Rasiererhersteller, eine Tochter des amerikanischen Konzerns Procter & Gamble (P&G) mit Deutschlandzentrale in Bad Schwalbach (Hessen), hat den "Mach3" vor fast 20 Jahren auf den Markt gebracht und seitdem alleine vom Verkauf der Ersatzklingen profitiert.

Beim Düsseldorfer Landgericht beantragte Gillette eine einstweilige Verfügung, die dem Erzrivalen Wilkinson und dessen US-Mutterkonzern Edgewell Herstellung und Verkauf der umstrittenen Nachahmer-Klingen verbieten soll. Am Dienstag fand am Düsseldorfer Landgericht die mündliche Verhandlung statt. Gillette sieht durch das Nachahmerprodukt sein europäisches Patent Nummer EP 1 695 800 verletzt, in dem es um die Verbindung zwischen den Klingen-Einsätzen und dem Griffstück geht. Wilkinson und Edgewell sehen das ganz anders. Nach ihrer Einschätzung ist das Patent von Gillette nichtig, weil die darin beschriebene Mechanik schon zum Zeitpunkt der Erteilung des Patents 1998 nicht wirklich neu gewesen sei.

Für den Wirtschaftsprofessor Michael Stephan von der Universität Marburg sind derartige Prozesse ein Beweis dafür, dass das Patentrecht immer mehr zu einer strategischen Waffe im Wettbewerb geworden ist. Selbst vergleichsweise simple Produkte wie Nassrasierer würden inzwischen von einem regelrechten "Patentdickicht" umgeben. Allein für den "Mach3 Turbo" habe Gillette insgesamt 35 Patente angemeldet, berichtet der Wissenschaftler. Die Unternehmen versuchten so starke Schutzschilde für die eigenen Produkte aufzubauen.

Ob die billigeren Ersatzklingen weiter verkauft werden dürfen oder nicht - diese Entscheidung will das Düsseldorfer Gericht am 18. Juli verkünden. Doch selbst wenn Wilkinson den Verkauf der Nachahmerprodukte einstellen müsste, können die "Mach3"-Besitzer hoffen, in absehbarer Zeit wieder billigere Klingen zu bekommen. Denn das umstrittene Patent läuft im Februar 2018 aus.

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