11.09.2017 - 21:46 Uhr
Deutschland & Welt

Rau und irisch Butter-Natur

Aufs Brot geschmiert oder in den Kuchen gerührt: Die Deutschen essen im Durchschnitt sechs Kilogramm Butter pro Jahr. Viele greifen zu einem Produkt aus Irland. Wieso eigentlich?

Die Deutschen essen im Durchschnitt sechs Kilogramm Butter pro Jahr. Besonders beliebt ist "Kerrygold" aus Irland, weil die Milch cremig ist und die Butter leicht gelb wird. Bild: Federico Gambarini/dpa
von Agentur DPAProfil

Dublin. Es sieht aus wie ein Tourismus-Werbespot für die Grüne Insel: In einem sattgrünen Feld grasen glückliche Kühe. Im Hintergrund erklingt irische Musik, die Wellen des Atlantiks brechen sich an Klippen. Ein fescher Bauer schmiert Butterbrote für ein rothaariges Kind. Faszination Irland - mit dieser Werbestrategie hat die Milchwirtschafts-Genossenschaft Ornua ihre Butter "Kerrygold" zu einem festen Bestandteil in deutschen Kühlschränken gemacht.

"Deutschland ist das Juwel in der Krone von ,Kerrygold'", sagt Ornua-Sprecherin Jeanne Kelly der Deutschen Presse-Agentur in Dublin. Die Qualität irischer Molkereiprodukte sei so hoch, weil keine Intensivfütterung im Stall betrieben werde. Irlands mildes Klima und der viele Regen ließen nahrhaftes Gras für die Kühe wachsen. Dadurch werde die Milch cremig und die Butter gelb, was Deutsche liebten.

Teuer wie nie

In 25-Kilo-Blöcken kommt das Produkt nach Deutschland. Die Tochtergesellschaft Ornua Deutschland GmbH, die ihren Sitz im nordrhein-westfälischen Neukirchen-Vluyn hat, verpackt und vertreibt im Jahr etwa 260 Millionen Butterstücke. Die irische Marke mit dem goldfarbenen Papier hat nach Firmenangaben bundesweit einen wertmäßigen Marktanteil von 17 Prozent. Sie sei damit unangefochtener Marktführer unter den in Deutschland angebotenen Buttermarken.

Diese Statistik sei allerdings nicht ganz aussagekräftig, betont der Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbands, Eckhard Heuser, in Berlin. "Sie berücksichtigt keine No-Name-Butter, die etwa von Aldi oder Rewe vertrieben wird." Rechne man diese Produkte mit, werde klar: "Die deutsche Markenbutter ist der Marktführer." Die gelbe Farbe der irischen Butter muss laut Heuser auch nicht stets ein Vorteil sein. "Die Italiener lieben zum Beispiel weiße Butter."

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat jeder Mensch in Deutschland 2016 im Durchschnitt etwa sechs Kilogramm Butter verbraucht. Bundesweit ist dieses Lebensmittel so teuer wie noch nie, erst kürzlich erhöhten die Schwesterunternehmen Aldi Nord und Süd den Preis für eine 250-Gramm-Packung auf 1,99 Euro - und eine Trendwende ist nicht in Sicht. "Das Angebot reicht derzeit nicht aus, um die Nachfrage zu bedienen", sagt Milchmarktexperte Andreas Gorn von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Die Lager sind leer.

Kluge Vermarktung

Auch in Irland hat Butter einen stolzen Preis: Eine Packung "Kerrygold" kostet mehr als 3 Euro, Eigenmarken in Supermärkten und Discountern 2 Euro. Die in Irland am häufigsten verkaufte Marke kommt von der Molkereigenossenschaft Dairygold. Ornua vertritt 14 000 irische Milchfarmen, hat einen Jahresumsatz von 1,75 Milliarden Euro und exportiert in 110 Staaten. Durch das genossenschaftliche System sind auch kleine Familienbetriebe vertreten. Kelly: "Durch unsere kleinen Genossenschaften bekommen wir auch Milch von relativ kleinen Bauernhöfen mit 70 Kühen oder so."

Der Erfolg von "Kerrygold" in Deutschland hat auch mit einem klugen Marketing zu tun. Der Name "Kerrygold" - in Anlehnung an die bei Touristen beliebte Grafschaft Kerry im Südwesten der Insel - soll Assoziationen an Irland und Natürlichkeit wecken. Im vergangenen Jahr meldete Ornua Deutschland einen Rekordabsatz: Er war bei Butter um 7 Prozent und bei Käse sogar um 42 Prozent gestiegen.

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