05.03.2018 - 20:54 Uhr
Deutschland & Welt

Sorgen vor allem bei Autobauern Handelskrieg: Oettinger will Eskalation vermeiden

Die USA und Europa sind nach der Ankündigung von Strafzöllen aus Washington im Handels-Clinch. Brüssel kündigt harte Gegenmaßnahmen an. Europapolitiker mahnen aber auch zur Besonnenheit.

EU-Kommissar Günther Oettinger warnt vor einem Handelskrieg mit den USA. Bild: Wiktor Dabkowski/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin/Washington. Zwischen den USA und Europa geht das Hauen und Stechen um Donald Trumps Strafzölle und die Reaktion darauf weiter. Der US-Präsident verteidigte am Montag seine Politik und erklärte, Freunde und Feinde Amerikas hätten sich auf Kosten seines Landes bereichert. Das müsse aufhören.

EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger rief zu angemessenen, aber wirksamen Gegenmaßnahmen auf. "Es müssen Maßnahmen sein, die im amerikanischen Markt wirken, ohne jetzt eine übertriebene Reaktion und damit eine Eskalation auszulösen", sagte er in Berlin. "Einen Handelskrieg zu vermeiden, wäre unser Ziel." Er warnte: "Wenn der transatlantische Handelskonflikt eskaliert, sind die Gewinner die Asiaten." Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte, die Reaktion werde "rasch, stark und angemessen" sein und im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation stehen. Der Kern des Problems im Stahl- und Aluminiumsektor liege in weltweiter Überproduktion. Dies könne nur an der Quelle gelöst werden. Die Kommission will am Mittwoch darüber entscheiden, wie sie auf die Zollpläne reagiert.

Trump knüpfte bezüglich der nordamerikanischen Freihandelspartner Mexiko und Kanada die Strafzölle an das Verhalten der Nachbarn. Mexiko müsse mehr gegen illegalen Drogenhandel an der US-Grenze tun. Kanada müsse in der Agrarpolitik Zugeständnisse machen. "Sie müssen unsere Bauern besser behandeln", schrieb Trump auf Twitter.

Die Bundesregierung warnte erneut vor Strafzöllen. "Abschottung und Protektionismus sind ein Irrweg", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Ein "Handelskrieg" wäre nicht im deutschen, europäischen und auch nicht im amerikanischen Interesse.

Nach der Ankündigung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium legte Trump am Wochenende nach. Er drohte den Europäern nun auch mit Strafabgaben für Import-Autos, sollten diese ihrerseits mit höheren Zöllen auf amerikanische Produkte antworten. Befürchtet werden vor allem Nachteile für deutsche Autobauer. Bei Volkswagen hieß es: "Wir beobachten die Situation sehr aufmerksam." Der Fraktionschef der konservativen EVP im Europaparlament, Manfred Weber, bezeichnete die Androhung als inakzeptabel. Gleichzeitig mahnte er jedoch zur Besonnenheit. "Es geht um Fakten, nicht um Emotionen." Der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann, warnte in der "Bild"-Zeitung vor unvorhersehbaren Folgen: "Es ist erschreckend, was Trump in der Handelspolitik treibt. Er scheint bei Wirtschaftsfragen noch ahnungsloser als gedacht. Oder er ist einfach skrupellos, Arbeitsplätze in den USA und andernorts für seinen Schaukampf zu gefährden. Das ist bitter für langjährige Partner der USA wie Deutschland."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp