13.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Spürbare Verunsicherung in der Wirtschaft: ZEW-Index bricht ein Dunkle Wolken am Konjunkturhimmel

Im August haben sich die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten so stark verdüstert wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Konjunkturindikator brach im Vergleich zum Vormonat um 18,5 Punkte auf 8,6 Punkte ein.

Dass Unternehmen künftig kein Geld mehr in die Kasse bekommen, ist wohl nicht zu befürchten. Aber die Unsicherheit in der deutschen Wirtschaft wächst. Archivbild: dpa
von Agentur DPAProfil

Die deutlichste Ursache für den Einbruch der Erwartungen ist aus Sicht von ZEW-Konjunktur-Experte Jesper Riedler die Unsicherheit wegen der Ukraine-Krise. "Die Unternehmen, auch wenn sie nicht direkt betroffen sind, sind unsicher und warten erst einmal ab, wie sich die Krise entwickelt", sagte er am Dienstag in Mannheim. Auch wegen der Nahost-Krise schöben Unternehmen Investitionen auf. Den ZEW-Experten zufolge ist zu befürchten, dass die Wirtschaft im laufenden Jahr schwächer wächst als bisher gedacht.

Es ist der achte Rückgang des ZEW-Indikators in Folge und der stärkste Einbruch seit Juni 2012. Der Index steht außerdem so tief wie seit Dezember 2012 nicht mehr. Neben den Konjunkturerwartungen schätzten die vom ZEW befragten Experten auch die aktuelle Lage im August deutlich schwächer ein: Hier fiel der entsprechende Index um 17,5 Punkte auf 44,3 Zähler.

Schwächeres Wachstum

Auch das Bundeswirtschaftsministerium stellt fest, dass die deutsche Wirtschaft an Fahrt verloren hat. Die Wirtschaftsleistung Deutschlands dürfte sich nach Einschätzung des Ministeriums im zweiten Quartal sogar abgeschwächt haben. Allerdings sei die Abschwächung im zweiten Quartal nach dem starken ersten erwartet worden, teilte das Ministerium am Dienstag mit.

Die Frühjahrsbelebung sei nach dem milden Winter sehr schwach ausgefallen, und die Wirtschaftsaktivität im Euro-Raum sei zögerlicher unterwegs als erwartet. Verunsicherung hätten insbesondere der Russland-Ukraine-Konflikt und die Entwicklung im Nahen Osten ausgelöst. Aber: "Die positive konjunkturelle Grundtendenz der deutschen Wirtschaft ist nach wie vor intakt." Die Risiken hätten sich jedoch erhöht. Am Donnerstag veröffentlicht das Statistische Bundesamt die Wirtschaftsentwicklung Deutschlands im zweiten Quartal.

Angesichts der Unsicherheiten hat Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer die Erwartungen an hohe Lohnabschlüsse gedämpft. Die Wolken am Horizont könnten zu größeren Unsicherheiten in den Unternehmen führen. Die anstehenden Lohnverhandlungen dürften daher teils sehr schwierig werden und sollten mit großer Vorsicht angegangen werden. Kramer plädierte für weiterhin flexible und differenzierte Tariflösungen je nach Region, Branche und Leistungskraft der Unternehmen. Den einheitlichen Abschluss, der allen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gerecht werde, gebe es nicht.

Plus bei den Einkommen

Die bisherigen Tarifabschlüsse dieses Jahres von zumeist zwei bis drei Prozent hätten angesichts der niedrigen Teuerung für alle Arbeitnehmer zu realen Einkommenszuwächsen geführt: "Das wird wohl auch in Zukunft so bleiben."

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