Standortbericht der VBW
Bei Fachkräften zwickt’s

Ein Arbeiter baut ein Getriebe zusammen. Die Oberpfalz verfügt über die höchste Industriedichte unter allen bayerischen Bezirken. Bild: dpa

Fast 96 Prozent der Unternehmen in Bayern würden sich wieder im Freistaat ansiedeln - gut ein Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch sind nicht alle zufrieden - auch nicht in der Oberpfalz.

München. Knapp 20 Prozent der in der Oberpfalz angesiedelten Industriebetriebe sind mit den im Bezirk herrschenden Standortbedingungen unzufrieden. Nach einer von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW) beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln in Auftrag gegebenen Studie, für die 140 Firmenvertreter in der Region befragt wurden, würden sich 19,4 Prozent der Firmen nicht mehr in der Oberpfalz niederlassen, wenn sie noch einmal die Wahl hätten. Sie würden dann überwiegend in einen anderen bayerischen Bezirk umziehen, nur 2,9 Prozent würden dem Freistaat komplett den Rücken kehren. In ihrer Mehrzahl bescheinigen die Unternehmen aber sowohl der Oberpfalz als auch dem Freistaat insgesamt eine sehr gute Standortqualität.

Lebensbedingungen

Nach der Studie sehen die Unternehmen in der Oberpfalz vor allem Nachholbedarf bei der Verbesserung der allgemeinen Lebenssituation der Menschen, vor allem in den ländlich geprägten Gegenden. Das erklärten 68,5 Prozent der Firmen. In einer Erhöhung der Attraktivität des Lebensraums sehen die Unternehmen auch den wichtigsten Lösungsansatz, um dem Fachkräftemangel begegnen zu können. Dieser ist aus Sicht der Befragten in der Oberpfalz gravierender ist als im bayerischen Durchschnitt. An erster Stelle stehen dabei Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Fast drei Viertel der Befragten gaben dies an. Knapp 60 Prozent der Unternehmen in der Oberpfalz wünschen sich Erleichterungen bei der Zuwanderung von Hochqualifizierten aus dem Ausland. Außerdem plädieren sie für einen raschen Ausbau der Breitbandinfrastruktur und damit verbunden eine Entbürokratisierung durch den Ausbau der Möglichkeiten zum E-Government, also des elektronischen Austausches mit Ämtern und Behörden. Schwächen sehen die Unternehmen auch beim Anschluss des Bezirks an den Schienen- und den Luftverkehr.

Die Studie bescheinigt der Oberpfalz im bayerischen Vergleich eine überdurchschnittliche Dynamik beim Abbau der Arbeitslosigkeit und dem Zuwachs an Kaufkraft. Als gut wird auch die soziale Lage bewertet. Die Quote der Empfänger von Sozialleistungen liegt mit 2,1 Prozent ebenso unter dem Landesdurchschnitt (2,4 Prozent) wie die Quote überschuldeter Personen. Diese liegt in der Oberpfalz bei 6,8 Prozent, bayernweit bei 7,1 Prozent. Zufrieden zeigten sich die Firmen mit den regionalen Wertschöpfungsketten. Die Bewertung lokaler Zulieferer erreichte auf der Skala von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) die Note 2,2.

Leiden an der Bürokratie

VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt freute sich über die Ergebnisse der Studie. "Wenn sich 95,9 Prozent der hier ansässigen Unternehmen wieder in Bayern ansiedeln würden, ist das ein hervorragendes Ergebnis", erklärte er, ohne auf die regionalen Unterschiede einzugehen.

Brossardt verwies aber auch auf die Verbesserungswünsche. Diese beträfen über ganz Bayern hinweg neben dem Breitbandausbau, mit dem rund die Hälfte der befragten Unternehmen noch immer nicht zufrieden ist, Vereinfachungen im Steuersystem, den Abbau von Bürokratie, die Flexibilisierung des Arbeitsrechts, die Senkung der Arbeitskosten sowie eine produktivere Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen.

Er forderte Bund und Land deshalb auf, bei der Schaffung passender Rahmenbedingungen für erfolgreiches Wirtschaften nicht nachzulassen.
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