Start in turbulenten Zeiten
Fonds-Tochter der Deutschen Bank nun an der Börse

Nicolas Moreau (links), Vorstandsvorsitzender der DWS Group, und der Aufsichtsratsvorsitzende Karl von Rohr, beim Börsengang der DWS auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse. Bild: Arne Dedert/dpa

Schlechtes Timing für die Deutsche Bank: Während weltweit die Aktienkurse abrutschen, bringt das Geldhaus seine Fondstochter DWS an die Börse. Dennoch darf der Schritt als Erfolg gewertet werden.

Frankfurt. Die Deutsche Bank hat ein Etappenziel auf ihrem Sanierungskurs erreicht: Die Fondstochter DWS startete am Freitag in turbulentem Umfeld an der Frankfurter Börse und legte ein solides Debüt hin. Die DWS-Papiere schlossen bei 33,08 Euro. Dies ist ein Plus von knapp 2 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 32,50 Euro. Der erste Kurs hatte bei 32,55 Euro gelegen.

"Jetzt stehen wir im Rampenlicht", sagte DWS-Chef Nicolas Moreau. Im harten Wettbewerb mit der Konkurrenz verspricht er sich einen Schub für den Vermögensverwalter. So will die DWS zusammen mit einem neuen Partner im Wachstumsmarkt Asien angreifen: Der größte japanische Lebensversicherer Nippon Life stieg als Ankerinvestor mit fünf Prozent bei der DWS ein.

Deutsche-Bank-Vorstand Karl von Rohr, der als Aufsichtsratschef über die DWS wachen soll, zeigte sich auf dem Parkett "sehr zufrieden". Eine Absage des Börsengangs sei nicht in Frage gekommen. Die Aktienmärkte weltweit hatten zum Wochenschluss aus Sorge vor einem weltweiten Handelskrieg deutlich nachgegeben.

Allerdings musste die Deutsche Bank schon im Vorfeld des Börsengangs Abstriche machen: 22,25 Prozent und nicht 25 Prozent der DWS-Anteile warf der Konzern auf den Markt und begnügte sich zudem mit einem deutlich geringeren Emissionserlös: Statt der ursprünglich erhofften zwei Milliarden Euro wurden es 1,4 Milliarden Euro.

Dennoch ist der DWS-Börsenstart eine gute Nachricht für Deutschlands größte Bank. Finanzvorstand James von Moltke hatte erst am Mittwoch die Investoren mit dem Hinweis auf ein schwieriges erstes Quartal im wichtigen Kapitalmarktgeschäft geschockt. Der Kurs der Deutschen Bank rutschte in der Folge auf den niedrigsten Stand seit November 2016 ab. Damals wurde über die Zukunftsfähigkeit des Instituts spekuliert. Die Deutsche Bank hat drei Verlustjahre in Folge hinter sich. Investoren werden zunehmend unruhig und fordern von Konzernchef John Cryan bessere Ergebnisse. Mit dem DWS-Börsengang kann Cryan nun zumindest einen Haken hinter eines seiner Großprojekte machen.

Die Deutsche Bank wird aber bei der DWS weiterhin das Sagen haben und sichert ihren Einfluss bei einem ihrer stabilsten Gewinnbringer auch über die Rechtsform ab: Die DWS firmiert als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Wichtige strategische Entscheidungen treffen nicht alle Anteilseigner bei der Hauptversammlung, sondern die persönlich haftenden Gesellschafter - also im Fall der DWS die Deutsche Bank.
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