25.03.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Streit um Einfuhrzölle Welthandel in großer Sorge

Peking sieht sich gut gerüstet für einen Konflikt um Strafzölle. Ökonomen warnen aber die Europäer davor, sich in einen Handelskrieg der USA hineinziehen zu lassen. Volkswirte sehen die Lage der deutschen Wirtschaft nicht mehr ganz so euphorisch wie bisher.

von Agentur DPAProfil

Berlin/Peking/Washington. Mit dem Streit zwischen den USA, Europa und China über milliardenschwere Strafzölle wächst die Sorge über die Zukunft des globalen Handelssystems. Wirtschaftsverbände und Ökonomen warnten am Wochenende vor einer Eskalation und einem nachhaltigem Schaden für die Welthandelsorganisation WTO. Zugleich gibt es Befürchtungen, dass ein Handelskrieg die boomende Konjunktur der Exportnation Deutschland bremsen könnte.

Die Drohung der USA, Strafzölle gegenüber der EU zu erheben, stehe weiter im Raum, warnten Bank-Volkswirte in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Grund für Schwarzmalerei gebe es aber nicht, betonen die Ökonomen. Sie sehen bisher keinen Anlass, ihre bisherigen Prognosen für das Wachstum der deutschen Wirtschaft zu senken, die für 2018 ein Plus von über zwei Prozent vorhersagen.

Entgegenkommen erwartet

Seit Freitag erheben die USA Strafzölle auf Aluminium und Stahl. Die 28 EU-Staaten wurden von den Abgaben noch vorerst ausgenommen - ebenso wie Kanada, Mexiko, Australien, Argentinien und Südkorea. Die Ausnahme ist aber befristet bis zum 1. Mai. So erwartet US-Präsident Donald Trump Entgegenkommen der Europäer an anderer Stelle. Trump hat zudem Schutzzölle auf Einfuhren aus China im Umfang von 60 Milliarden Dollar angekündigt - wegen angeblichen Diebstahls geistigen Eigentums und wettbewerbswidriger Praktiken. Die Regierung in Peking will mit Vergeltungsabgaben auf US-Waren im Umfang von 3 Milliarden US-Dollar dagegen halten.

Sein Land sei "bereit und in der Lage", in einem möglichen Handelskrieg "seine nationalen Interessen zu schützen", sagte Chinas Vizepremier Liu He nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua in einem Telefonat mit US-Finanzminister Steven Mnuchin. Das Vorgehen der USA verstoße gegen internationale Handelsregeln. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier strebt eine einvernehmliche Lösung statt eines langen Rechtsstreits an. Der "Passauer Neuen Presse" (Montag), sagte der CDU-Politiker, bei einem Handelskrieg stünden weltweit einige Millionen Arbeitsplätze auf dem Spiel.

WTO verteidigen

"Die Ankündigungen der US-Administration bereiten uns große Sorge", sagte Friedolin Strack vom Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft der dpa. Die Einschätzung Washingtons, dass es beim Marktzugang Ungleichheiten gebe, teile er durchaus, sagte Strack. Auch die deutschen Firmen seien sehr besorgt über die Entwicklung des Geschäftsklimas in China.

Das ifo-Institut ermunterte Altmaier und die EU-Kommission, sich schützend vor die WTO zu stellen und sich nicht in einen Handelskrieg der USA gegen andere Länder hineinziehen zu lassen. "Die EU sollte dieses Spiel nicht mitmachen", sagte ifo-Experte Gabriel Felbermayr.

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