Stromversorger in Deutschland müssen kämpfen
Nach Aufspaltung nun der Neubeginn?

2016 war ein Zitterjahr für die Energiekonzerne. Den radikalen Umbauten bei Eon und RWE soll jetzt eine "grüne" Zukunft mit Ökostrom und neuen Dienstleistungen folgen. Aber können die Versorger wirklich ihre Altlasten abschütteln? Bild: dpa

Berlin/Essen. Es war ein Kraftakt mit noch ungewissem Ausgang: Über Börsengänge abgetrennter Konzernteile haben die Energieriesen Eon und RWE eine dringend nötige Kehrtwende eingeleitet. Gelingt den Versorgern mit Hilfe ihrer eigenständigen Öko-Sparten nun tatsächlich der Befreiungsschlag - oder kommt die schrittweise Abwendung von der Kohle- und Atomkraft viel zu spät? 2017 dürfte es für Verbraucher und die Branche ähnlich spannend bleiben. Zentrale Themen im Überblick:

Die Rettungsstrategie: Ökostrom, Netze und Services abspalten

Die "neue" Eon mit Ökostrom, Netzgeschäft und Vertrieb heißt weiter Eon - der alte Bestand mit den konventionellen Kraftwerken und dem Gasgeschäft wurde in den ebenfalls börsennotierten Konzern Uniper ausgelagert. Eon verfolgt eine Konzentration auf die boomenden neuen Energien bei gleichzeitiger Verschlankung. Ähnlich machte es der Rivale RWE, wenngleich andersherum: Die Essener holten sich an der Börse Geld für ihre Öko-Sparte Innogy, während die "alte" RWE etwa die konventionellen Anlagen verwaltet.

Das anhaltende Problem: Kohle und Gas verdienen nicht genug Geld

Ein hohes Angebot an Ökostrom drückt in die Netze, weshalb die Lücke zwischen den eigentlich geringen Großhandelspreisen und den Einspeisevergütungen für die Hersteller von alternativer Energie tendenziell weiter aufklafft. Das Preisniveau an den Strombörsen ist für den Verkauf insbesondere der konventionell erzeugten Elektrizität entscheidend. Die "neuen" Ökostrom-Geschäfte laufen deutlich besser.

Der Verbraucher muss vorerst weiter draufzahlen

Der Privatkunde merkt von dem Preistief an den Strombörsen kaum etwas - ganz im Gegenteil: Steigende Kosten für den Ausbau des Netzes und der erneuerbaren Energien werden auch 2017 zu einem beträchtlichen Teil über die Netzentgelte und die Ökostrom-Umlage auf ihn abgewälzt. Rund drei Viertel des Endverbraucher-Preises entfallen auf solche Abgaben und Steuern. Die Ökostrom-Umlage erhöht sich von 6,35 auf 6,88 Cent je Kilowattstunde. Bei den Netzentgelten ist es ähnlich. Der für Norddeutschland und Bayern zuständige Betreiber Tennet kündigte beispielsweise eine Erhöhung um 80 Prozent an.

Ergebnis: Nach einem Jahr 2016 fast ohne Steigerungen geht es beim Strompreis 2017 wohl wieder spürbar nach oben.

Die Politik versucht zu helfen

2016 wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abermals novelliert. Statt einer pauschalen Subventionierung des Ökostrom-Ausbaus mit Garantiepreisen für die Einspeisung der Erzeuger wird die Förderung nun - je nach Energieträger - unterschiedlich stark gedeckelt. So sollen der Kostenanstieg und die Überhitzung beim Zubau von Windkraft-, Solar- und Biogasanlagen unter Kontrolle gebracht werden.

Künftig gibt es statt des "Gießkannen-Prinzips" Ausschreibungen. In der Regel soll dabei derjenige Erzeuger den Zuschlag erhalten, der am wenigsten staatliche Fördergelder verlangt. Auch die Ökostrom-Menge soll zwischen Überproduktion in Spitzenzeiten und Mangelversorgung bei Windstille oder bedecktem Himmel so besser gesteuert werden. Denn solange die Netze nicht hinreichend ausgebaut sind, schwankt der Beitrag der Ökoträger - mit Risiken für die Versorgungssicherheit.

Altlast Atomausstieg

Die Abwicklung der Atomenergie in Deutschland - nach dem Fukushima-Schock 2011 von der Regierung durchgeboxt - bleibt ein Reizthema. Weil die Konzerne auf längere Laufzeiten setzten, nahmen sie auch Investitionen in Angriff, die aus heutiger Sicht überflüssig sind. Eon, RWE und Vattenfall wollten Schadenersatz wegen Enteignung.

Anfang Dezember urteilte das Bundesverfassungsgericht überraschend: Prinzipiell haben die Energieriesen zumindest teilweise ein Recht auf Entschädigung wegen des staatlich verordneten Ausstiegs. Bis Sommer 2018 soll der Gesetzgeber klären, wie ein Ausgleich aussehen kann. Der Steuerzahler, der schon die schwer vorhersehbaren Kostenrisiken für die Atommüll-Lagerung tragen soll, wird wohl zur Kasse gebeten.
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