17.08.2017 - 21:26 Uhr
Deutschland & Welt

Studie der Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht Mehr Arbeit, gleich viel Geld

Arbeiten Beschäftigte in unteren Einkommensgruppen mehr, bleibt ihnen nicht unbedingt mehr Geld übrig. Im schlimmsten Fall können Sozialabgaben, Transferleistungen und Einkommensteuern gar zu Verlusten führen. Gutverdienern ergeht es besser.

Eine Reinigungskraft arbeitet in einem Krankenhaus. Mehrarbeit lohnt sich für Geringverdiener nicht immer. Bild: Daniel Reinhardt/dpa
von Agentur DPAProfil

Gütersloh. Mehrarbeit lohnt sich für Geringverdiener nicht immer. In unteren Einkommensgruppen kann das Zusammenwirken von Sozialabgaben, Transferleistungen und Einkommensteuer dazu führen, dass von Lohnzuwächsen nichts im Portemonnaie ankommt. Im schlimmsten Fall kann sogar weniger übrig bleiben als ohne den Mehrverdienst. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Die Autoren hatten für sechs Musterhaushalte - vom Alleinerziehenden mit einem Kind bis zum Doppelverdienerpaar ohne Kinder - untersucht, wie viel von einem zusätzlich verdienten Euro übrig bleibt, wenn Sozialversicherung, Einkommensteuern und den möglichen Entzug von Sozialleistungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag berücksichtigt werden. Das Ergebnis: Untere Einkommensgruppen werden deutlich stärker belastet als Spitzenverdiener.

Arbeitslosengeld II gekürzt

Von einem hinzuverdienten Euro bleibt nach Rechnung der Stiftung bei einem Single-Haushalt mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von 17 000 Euro nichts übrig. Bei einem Einkommen von 75 000 Euro brutto würden 56 Cent je Euro in der Kasse bleiben. Der Grund: Bei Geringverdienern würde angesichts des Mehrverdienstes im gleichen Ausmaß das Arbeitslosengeld II gekürzt. "In einigen Fällen finden wir Grenzbelastungen von über 120 Prozent, der hinzuverdiente Euro sorgt damit für 20 Cent netto weniger in der Haushaltskasse", erklärt Manuela Barisic von der Bertelsmann-Stiftung.

Aber auch bei etwas besser Verdienenden zeigt sich den Berechnungen zufolge ein ähnliches Bild. So bleiben einem Ehepaar mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener bei einem jährlichen Bruttoverdienst von 40 000 Euro von einem zusätzlich verdienten Euro 56 Cent übrig. Wer dagegen 90 000 Euro brutto verdient, kann 66 Cent behalten.

Reform des Systems

Die Studienautoren fordern Änderungen am Gesamtsystem aus Einkommensteuer, Sozialabgaben und Transferleistungen. "Mehr Arbeit und Lohn müssen sich für die Krankenschwester genauso auszahlen wie für den Unternehmensberater", erläutert der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Aart De Geus. Mit Reformen müssten die Regelungen so aufeinander abgestimmt werden, dass sich mehr Erwerbsarbeit für jeden lohne.

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