Studie des WSI-Tarifarchivs
Kräftige Lohnzuwächse

Begünstigt von einer positiven Einkommensentwicklung ist 2016 die Sparquote in Deutschland leicht gestiegen. Archivbild: dpa

Tarifexperten des gewerkschaftsnahen WSI haben die Tariflöhne unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Die Bürger haben mehr Geld im Geldbeutel. Die DZ Bank hat noch einen weiteren Faktor ausgemacht.

Düsseldorf. Die anhaltend niedrige Inflationsrate lässt den Tarifbeschäftigten in Deutschland mehr Geld im Portemonnaie. Im vergangenen Jahr legten die Tariflöhne und -gehälter preisbereinigt um 1,9 Prozent zu, teilte das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag mit. Den Gewerkschaften sei es gelungen, deutliche Zuwächse durchzusetzen, die oberhalb der laufenden Preissteigerungsrate lagen, sagte WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck der Mitteilung zufolge. So hätten die Beschäftigten auch am Produktivitätsfortschritt teilgenommen.

Am besten schnitten nach der Auswertung des Tarifarchivs die Beschäftigten im Bereich Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft ab. Hier betrug die Tarifsteigerung nominal 3,5 Prozent. Es folgten der Handel mit 2,9 Prozent sowie das Baugewerbe und die privaten Dienstleistungen mit jeweils 2,7 Prozent. 2016 waren die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent gestiegen, dagegen lagen die tariflichen Einkommenszuwächse bei nominal 2,5 Prozent.

Tarifrunde 2017 eingeläutet

Über alle Branchen hinweg schlossen die DGB-Gewerkschaften im vergangenen Jahr Lohn- und Gehaltstarife für rund 10,8 Millionen Beschäftigte ab. Dabei liegt die Laufzeit der Verträge bei durchschnittlich 22,8 Monaten. Für weitere 8,4 Millionen Beschäftigte seien 2016 Erhöhungen in Kraft getreten, die bereits früher vereinbart worden waren. Eingeläutet ist bereits die Tarifrunde 2017: Verhandelt wird in der westdeutschen Texil- und Bekleidungsindustrie und in Kürze auch im öffentlichen Dienst der Länder. Ende Februar laufen die Verträge in der Eisen- und Stahlindustrie aus, es folgen das Versicherungsgewerbe, der Einzelhandel sowie Groß- und Außenhandel. Für 2017 rechnet Bispinck mit einer Fortsetzung des moderaten Konjunkturaufschwungs. Eine kräftige Lohnentwicklung sei dabei weiterhin eine Stütze der Binnenkonjunktur.

Der DZ Bank zufolge werden die Menschen in Deutschland trotz der mickrigen Sparzinsen in der Summe immer vermögender. Nach vorläufigen Berechnungen der Bank dürften die Geldvermögensbestände der privaten Haushalte im vergangenen Jahr um knapp 230 Milliarden Euro auf gut 5,7 Billionen Euro gestiegen sein. Der Anstieg lag mit 4,1 Prozent nur leicht unter dem des Vorjahres (plus 4,8 Prozent). Dies erklärten die Volkswirte des genossenschaftlichen Spitzeninstituts in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Studie zum Großteil mit Wertzuwächsen bei Aktien und Fonds. Die "Jahresend-Rally im Dezember" habe "für ordentliche Kursgewinne und damit für die wenigen Lichtblicke des Anlagejahres 2016" gesorgt.

Fleißige Sparer

Neben Kursgewinnen habe vor allem "der anhaltende Sparfleiß der Bürger" für den Aufbau des Geldvermögens gesorgt. Die Ökonomen des Frankfurter Instituts gehen davon aus, dass die Sparquote im abgelaufenen Jahr erneut leicht von 9,7 Prozent auf 9,8 Prozent gestiegen ist - heißt: Von 100 Euro verfügbarem Einkommen werden 9,80 Euro auf die hohe Kante gelegt. "Offenbar lassen sich die privaten Haushalte in Deutschland nicht durch das Extrem-Niedrigzins-Niveau entmutigen", heißt es in der Studie.
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