Studie warnt vor dramatischen Folgen
„Überfischt und unterversorgt“

Gefangene Ostseeheringe in einem Behälter. Archivbild: dpa

Rein statistisch betrachtet haben die Europäer ihren heimisch gefangenen Fisch schon zur Jahreshälfte aufgegessen. Den Rest importieren sie. So kann es nicht weitergehen, warnt der WWF. Die Organisation fürchtet Hunger und politische Unruhen.

Hamburg. Der ungezügelte Appetit von Menschen in Industrieländern auf Fisch könnte nach einer Studie Hungerkrisen in ärmeren Weltregionen auslösen. Die Umweltorganisation WWF, die die Untersuchung in Auftrag gegeben hat, ruft deshalb zu besserem Fischerei-Management und gerechterer Verteilung auf. Verbraucher müssten dazu nicht unbedingt weniger Fisch essen, sondern stattdessen zu heimischem Fisch greifen, sagt Karoline Schacht von der Umweltschutzorganisation WWF. Andernfalls könnten sich Millionen Menschen 2050 den Fisch als Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten, warnen die Autoren des am Mittwoch veröffentlichten Berichts "Überfischt und unterversorgt".

Zwar lässt sich die Menge des weltweit gefangenen Fischs der Studie zufolge noch steigern, ohne dass die Bestände ausgelaugt würden. "Allerdings wird der gefangene Fisch sehr wahrscheinlich nicht unbedingt dort landen, wo die Menschen ihn zum Überleben brauchen", sagte Schacht. Stattdessen sei zu erwarten, dass Verbraucher in Industrieländern bei Engpässen höhere Preise zahlten. "Reiche Länder werden sich auch in Zukunft ,ihren' Fisch weiterhin leisten können, ärmere hingegen nicht", schreiben die Autoren von der Universität Kiel. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit von Armut und Hunger in den betroffenen Ländern. Dies könne auch zu politischer Instabilität führen.

Als gefährdet sieht die Studie vor allem Länder, in denen die die Abhängigkeit von Fisch als Einkommens- und Nahrungsquelle besonders groß ist. Im Senegal oder in Indonesien etwa decken die Menschen bis zu 40 Prozent ihrer Aufnahme an tierischem Eiweiß durch Fisch ab. Auch andere westafrikanische Länder wie Guinea und Ghana sowie südostasiatische Staaten wie Malaysia und Bangladesch seien besonders abhängig vom Fisch. Für eine optimale Bewirtschaftung der weltweiten Fischbestände braucht es laut Studie Höchstfangmengen. Heute gelten dem WWF zufolge 31 Prozent der Fischbestände als überfischt, 58 Prozent als gefährdet.
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