28.12.2017 - 20:50 Uhr
Deutschland & Welt

Taxis haben viele Herausforderer Druck von vielen Seiten

Vielen sind sie zu teuer und doch gehören Taxis wie selbstverständlich zum öffentlichen Straßenbild. Aber das Gewerbe muss sich wandeln, denn die Zahl der Herausforderer ist groß.

Das Taxigewerbe empört sich über neue Mitfahrdienste. Archivbild: Axel Heimken/dpa
von Agentur DPAProfil

Frankfurt. Große Konzerne wie Daimler, Volkswagen oder die Deutsche Bahn haben in den vergangenen Monaten neue Mitfahrdienste auf die Straßen einiger Großstädte gebracht. Das traditionelle Taxigewerbe sieht sich der nächsten Herausforderung gegenüber, nachdem der Europäische Gerichtshof gerade erst den Fahrdienstvermittler Uber in enge gesetzliche Schranken der Personenbeförderung verwiesen hat. Die rund 36 000 Betriebe müssen sich zudem um Mindestlohn, neue behördliche Auflagen und drohende Diesel-Fahrverbote kümmern.

Bundesweit sind knapp 93 000 Taxen und Mietwagen unterwegs. Dem Taxi- und Mietwagenverband BZP zufolge rufen die Deutschen pro Tag etwa 1,2 Millionen Mal ein Taxi, rund 430 Millionen Taxi-Fahrten gibt es jährlich. Mitfahrdienste und Car-Sharing-Modelle der Autohersteller sieht der BZP-Präsident Michael Müller skeptisch: "Man muss sich anschauen, was die genau anbieten. Das ist meistens zeitlich und räumlich eng begrenzt." Das Risiko in den Randzeiten oder in den Vororten von Berlin wollten die neuen Anbieter nicht tragen, die zudem nicht kostendeckend arbeiteten. "Aber wir brauchen auch die Einnahmen aus den stärkeren Zeiten, um den gesamten Betrieb zu finanzieren."

Noch sind die Wagen mit dem schwarz-gelben Taxischild auf dem Dach Teil des Öffentlichen Nahverkehrs und schließen dort Lücken, wo Bus und Bahn nicht fahren. Daher unterliegen die Taxen der Kontrolle der Kommunen, die Zahl der Lizenzen und die Tarife festlegen. Als Gegenleistung müssen Taxis die Grundversorgung an Mobilität sichern und dürfen keine Fahrten ablehnen. Auf dem Land bröckelt das System allerdings, sagt Müller. Die Einführung fester Stunden-Mindestlöhne habe in ländlichen Bereichen und in Tagesrandzeiten zu einem knapperen Angebot geführt, sagt er. "Die Unternehmer müssen genauer hinschauen, ob sich zu einer bestimmten Zeit noch ein Wagen samt Fahrer rechnet. Auf dem Land denken Unternehmer darüber nach, ihre Taxi-Lizenz in eine Mietwagengenehmigung umzuwandeln. Dann entfällt nämlich die Beförderungspflicht und die Bindung an die in Randzeiten nicht kostendeckende Beförderungstarife."

Die Taxi- und Mietwagenunternehmer stehen bereits vor existenziellen Fragen, wenn sie über die Anschaffung neuer Autos entscheiden. Üblicherweise arbeiten sie mit einem Investitionshorizont von höchstens fünf Jahren. Ältere Diesel könnten bei Fahrverboten schnell zur "Investitionsruine" werden, während taxi-taugliche Elektromobile laut "Taxi-Journal" frühestens in drei bis fünf Jahren zu erwarten seien.

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