20.09.2017 - 21:54 Uhr
Deutschland & Welt

Thyssenkrupp will mit indischem Konkurrenten fusionieren: 2000 Arbeitsplätze im Feuer

Essen. Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp will mit seinem indischen Konkurrenten Tata gegen massive Proteste einen neuen europäischen Stahlgiganten schaffen. Nach mehr als einjährigen Verhandlungen einigten sich die Unternehmen grundsätzlich auf die Fusion ihrer europäischen Stahlsparten.

Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender der Thyssenkrupp AG, strebt eine Fusion mit dem indischen Konkurrenten Tata an. Der Essener Industriekonzern soll so eine "nachhaltige Zukunftsperspektive" bekommen. Bild: Marcel Kusch/dpa
von Agentur DPAProfil

Bei beiden Konzernen sollen je 2000 Stellen wegfallen und insgesamt 400 bis 600 Millionen Euro Synergien entstehen. Die neue Gesellschaft soll ihren Sitz in den Niederlanden haben. Der endgültige Vertrag soll Anfang 2018 unterzeichnet werden, wie Thyssenkrupp am Mittwoch in Essen mitteilte. Die Kontrollgremien der beiden Unternehmen müssen den Plänen noch zustimmen.

"Falsche" Entscheidung

Der Betriebsrat der Thyssenkrupp-Stahlsparte sprach von einer falschen Entscheidung. "Der Vorstand hat gegen alle Warnungen alles auf eine Karte gesetzt. Das bedeutet nicht, dass wir das gutheißen", sagte der Betriebsratschef der Stahlsparte, Günter Back. Ziel müsse es nun sein, "das Schlimmste" zu vermeiden. Back zeigte sich überzeugt, dass es bei einer Fusion nicht bei dem angekündigten Abbau von rund 2000 Stellen bei Thyssenkrupp in Deutschland bleiben werde. Am Ende würden einem Zusammenschluss "wesentlich mehr" Arbeitsplätze zum Opfer fallen, meinte er. Für diesen Freitag haben Betriebsrat und IG Metall zu einer Protestkundgebung in Bochum aufgerufen, zu der mindestens 5000 Stahlkocher erwartet werden.

Die Arbeitnehmervertreter hatten angekündigt, bei einer möglichen Abstimmung im Aufsichtsrat geschlossen gegen eine Fusion stimmen zu wollen. Ein solches Votum wäre ein Novum in der Konzerngeschichte. Zu einer Abstimmung werde es bei der am kommenden Samstag geplanten Sitzung des Aufsichtsrats jedoch zunächst nicht kommen, kündigte Hiesinger an. Die Krupp-Stiftung als wichtige Großaktionärin begrüßte das Vorhaben. Hiesinger stellte durch die Fusion eine "nachhaltige Zukunftsperspektive" in Aussicht. Mit dem Zusammenschluss seien beide Unternehmen "weitaus besser aufgestellt, um den strukturellen Herausforderungen von Europas Stahlindustrie zu begegnen".

In der "Abwärtsspirale"

In einem Brief an die Mitarbeiter wies Hiesinger auf "erhebliche Überkapazitäten" in der Stahlbranche hin. Die Nachfrage nach Flachstahl wachse nur sehr langsam. Alle Stahlunternehmen arbeiteten mit Restrukturierungsprogrammen dagegen, heißt es in dem Schreiben "Die Wirkung ist aber nur von kurzer Dauer und schnell vom Markt aufgezehrt." Dadurch entsteht eine Abwärtsspirale, die uns dazu zwingt, immer wieder schmerzhaft nachzuziehen."

Thyssenkrupp und Tata beabsichtigen je 50 Prozent der Anteile an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen zu halten. Nach dem Zusammenschluss kommt das Unternehmen auf rund 48 000 Mitarbeiter - wovon 27 000 von Thyssenkrupp kommen. Durch die Fusion würde hinter dem Branchenprimus ArcelorMittal das zweitgrößte Stahlunternehmen in Europa entstehen, gemessen an der Produktion. Das neue Unternehmen mit dem Namen Thyssenkrupp Tata Steel mit aktuell 34 Standorten würde einen Umsatz von rund 15 Milliarden Euro erzielen.

Nahles: Nicht um jeden Preis

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat bei der geplanten Stahl-Fusion von Thyssenkrupp und Tata umfangreiche Zusagen für Standorte und Beschäftigte gefordert. "Einen Zusammenschluss um jeden Preis darf es nicht geben", sagte Nahles am Mittwoch. Die Standorte in Deutschland müssten erhalten, betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Außerdem sei es wichtig, dass im Falle eines Zusammengehens der Unternehmenssitz in Deutschland liege. Nur so lasse sich die Montan-Mitbestimmung langfristig sichern. (dpa)

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