12.01.2018 - 22:04 Uhr
Deutschland & Welt

Trend weg vom Zigarettenkonsum Staat verdient mehr an Rauchern

Der Fiskus nimmt wieder mehr Tabaksteuer ein - obwohl mit Gruselfotos auf den Packungen vor den Gefahren des Rauchens gewarnt wird. Eine Trendwende? Ein Blick in die Historie belegt das Gegenteil.

Der deutsche Staat hat 2017 wieder mehr an Rauchern verdient als ein Jahr zuvor. Bild: Robert Schlesinger/dpa
von Agentur DPAProfil

Wiesbaden. Schockfotos auf Zigarettenschachteln halten viele Raucher nicht ab: Der deutsche Staat hat 2017 wieder mehr am Qualmen verdient als ein Jahr zuvor. Insgesamt wurden Tabakwaren mit einem Verkaufswert von 25,9 Milliarden Euro versteuert, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Das waren laut der Wiesbadener Behörde 0,8 Milliarden Euro oder 3,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Der Zigarettenabsatz erhöhte sich demnach leicht um 1,1 Prozent auf rund 76 Milliarden Stück. Kräftig stieg die Menge des versteuerten Pfeifentabaks um 28,7 Prozent auf 3245 Tonnen. Rückgänge gab es hingegen bei Zigarren und Zigarillos (minus 7,4 Prozent auf 3 Milliarden Stück) und beim Feinschnitt zum Selberdrehen (minus 3,7 Prozent auf 24 258 Tonnen).

Die Statistiker werten den Anstieg der Tabaksteuereinnahmen als Normalisierung: Der Vorjahreswert sei vergleichsweise niedrig ausgefallen - unter anderem wegen der Umstellung auf größere Verpackungen. Zudem hatten die Hersteller aufgrund der absehbaren Verschärfung der gesetzlichen Vorgaben für Warnhinweise auf den Packungen im Mai 2016 zuvor noch kräftig Waren nach den alten Bestimmungen produziert und dafür viele Steuerzeichen bezogen.

Auf diesen Steuerzeichen basieren die Berechnungen des Bundesamtes. Die Daten geben indes wenig Aufschluss darüber, wie viel tatsächlich geraucht wird. Die Industrie weist selbst regelmäßig darauf hin, dass ein Großteil der in Deutschland gerauchten Zigaretten nicht hierzulande versteuert wird. Grundsätzlich gibt es in der Bundesrepublik jedoch einen deutlichen Trend weg vom Zigarettenkonsum: 1991 zum Beispiel wurden nach Daten des Bundesamtes noch rund 146,5 Milliarden Zigaretten versteuert.

Eine Besteuerung der zunehmend beliebten E-Zigaretten ist nach Informationen von "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" nicht in Sicht. Die EU-Kommission wolle sich gegen die EU-weite Einführung einer Steuer auf die Flüssigkeit aussprechen, die in den elektronischen Zigaretten erhitzt und von Nutzern inhaliert wird, schreiben die Zeitungen unter Berufung auf einen Bericht der Brüsseler Behörde. Die EU-Kommission will demnach frühestens 2019 eine Steuer auf E-Zigaretten wieder prüfen. Ob eine künftige Bundesregierung das Thema angeht, ist derzeit offen.

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