19.11.2017 - 21:10 Uhr
Deutschland & Welt

Trotz billigem Einkauf: Keine Entlastung für Stromkunden

Bonn. Strom wird im kommenden Jahr wieder nicht günstiger - obwohl die Versorger etwas billiger einkaufen konnten und Umlagen zurückgehen. Geben die Konzerne Entlastungen einfach nicht weiter? Gute Nachrichten gibt es für die Befürworter von Ökostrom. Bis Mitte November ist laut Energiekonzerns Eon in Deutschland so viel Strom aus erneuerbaren Quellen in einem Jahr erzeugt worden wie nie zuvor.

Endkunden spüren nichts von der Entspannung am Energiemarkt: Der Strom bleibt wohl auch 2018 teuer. Bild: Daniel Reinhardt/dpa
von Agentur DPAProfil

Verbraucherschützer kritisieren aber, dass Versorger Entlastungen nicht an die Endkunden weitergäben. Die Branche ihrerseits sieht den Staat in der Pflicht: Den Stromanbietern bleibe kaum noch Spielraum für die Preisgestaltung.

Kurz vor dem Ende der Ankündigungsfrist für Preiserhöhungen am Montag - sechs Wochen vor Jahresbeginn - verzeichnete das Vergleichsportal Verivox 39 Versorger mit Preissenkungen um im Schnitt 2 Prozent, zugleich aber 42 Anbieter mit Erhöhungen um im Schnitt 2,8 Prozent. Ähnlich beim Portal Check24: Auf 15 Anbieter mit Preissenkungen um durchschnittlich 2 Prozent kommen 13 Anbieter, die 2018 die Preise um 2,4 Prozent erhöhen. Die vier größten Versorger Innogy (RWE), Eon, EnBW und Vattenfall senken die Preise nicht.

Dabei haben die Energiekonzerne für den eigenen Einkauf an der Strombörse 2017 moderate Preise gezahlt - die Großhandelspreise gingen zum Vorjahr laut Verivox um 3 Prozent zurück. Rückläufig sind auch die Netzentgelte für den Ausbau und Betrieb des Stromnetzes, die allein etwa ein Viertel des Strompreises ausmachen. Hinzu kommen eine Senkung der EEG-Umlage zur Finanzierung der Energiewende im neuen Jahr und die Verringerung weiterer Lasten für den Strompreis wie der Kraft-Wärme-Kopplungs-Umlage.

"Stromversorger argumentieren sich um Kopf und Kragen, wenn sie Strompreiserhöhungen begründen oder eigentlich mögliche Senkungen ablehnen", sagte der Energieexperte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. "Den Tarif zu überprüfen und einen Anbieterwechsel in Betracht zu ziehen, sollte zur Routine aller Stromkunden werden." Rund drei Viertel der Verbraucher noch Kunden ihres Regionalversorgers - oft zu vergleichsweise hohen Preisen.

Strom kostet für Haushaltskunden aktuell im Schnitt 29,2 Cent pro Kilowattstunde. Der Preis hat sich damit seit 2000 mehr als verdoppelt. Deutschlands Stromkunden müssen im Schnitt zwischen 1100 und 1400 Euro jährlich für die Versorgung eines vierköpfigen Durchschnittshaushalts (4000 Kilowattstunden) zahlen.

Die Zunahme an Ökostrom dürfte Eon zufolge an Herbststürmen und mehr Sonnenstunden im Süden im Vergleich zum Vorjahr gelegen haben. Bis Mitte November haben alle Solar-, Wind- und Wasserkraftanlagen bereits 131 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom produziert "und damit schon jetzt mehr als im gesamten Jahr 2016", sagte Robert Hienz, Geschäftsführer bei Eon.

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