21.02.2018 - 20:30 Uhr
Deutschland & Welt

Umfrage zu Dieselautos, Ladesäulen und Umweltbewusstsein der Autoindustrie Fahrverbote für Dieselautos: Bevölkerung gespalten

Sollen deutsche Städte Fahrverbote für schmutzige Dieselautos verhängen dürfen? Kurz vor dem Urteil ist die Bevölkerung in dieser Frage entzweit. Eine Umfrage zeigt, wie kontrovers das Thema gesehen wird - und wie schlecht die Autoindustrie wegkommt.

Eine Messstation des Landesumweltamtes Nordrhein-Westfalen in Köln. Seit Jahren werden Grenzwerte für Stickstoffoxide in den Innenstädten deutlich überschritten. Das Bundesverwaltungsgericht prüft am 22. Februar, ob Fahrverbote für Dieselfahrzeuge eine rechtmäßige Lösung wären. Bild: Oliver Berg/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Die Deutschen sind in der Frage drohender Fahrverbote für Dieselautos in Städten tief gespalten. Vor der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts an diesem Donnerstag äußerten 43 Prozent der Bürger in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov, sie fänden Verbote eher gut oder sogar sehr gut. Genauso viele meinten bei der Befragung im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur jedoch, Diesel-Fahrverbote wären in bestimmten Kommunen eher schlecht oder sehr schlecht. Befürworter und Gegner sind gleichauf. Eine Mehrheit der Befragten glaubt hingegen, dass die Autoindustrie nicht genug für die Umwelt tut.

Die obersten deutschen Verwaltungsrichter in Leipzig prüfen frühere Urteile aus Stuttgart und Düsseldorf. Das Stuttgarter Gericht hatte Fahrverbote die "effektivste" Maßnahme genannt, um den städtischen Gesundheitsschutz zu verbessern. Das Düsseldorfer Gericht urteilte, Fahrverbote für Dieselfahrzeuge müssten "ernstlich geprüft" werden. Rund 6000 Menschen in Deutschland sterben einer Studie des Umweltbundesamts (UBA) zufolge pro Jahr vorzeitig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die von Stickoxiden ausgelöst werden. Die Untersuchung der Behörde lag am Dienstag dem ARD-Magazin "Report Mainz" vor. Stickstoffdioxid (NO2), das in Städten hauptsächlich aus Dieselabgasen stammt, kann demnach über einen längeren Zeitraum schon in geringen Konzentrationen schwere Folgen haben. Der erlaubte Jahresmittel-Grenzwert der EU liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Laut "Report Mainz" zeigt die Studie, dass bereits eine längere Stickstoffdioxid-Konzentration ab 10 Mikrogramm zu Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen führen kann. Solche Konzentrationen kämen auch in ländlichen Gebieten vor. In Innenstädten sind die Werte teils um ein Vielfaches höher. Das Umweltbundesamt bestätigte der Deutschen Presse-Agentur die Existenz der Analyse. Sie soll im März der Öffentlichkeit offiziell vorgestellt werden. Demnach waren im Jahr 2014 rund 6000 vorzeitige Todesfälle allein auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen, die durch Stickstoffdioxid ausgelöst wurden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch Schlaganfälle, Lungenerkrankungen wie Asthma sowie Diabetes durch NO2 ausgelöst oder verschlimmert werden können.

Angesichts drohender Fahrverbote für alte Dieselfahrzeuge fordern unterdessen Betreiber von Bussen und Bahnen mehr Geld vom Bund. Anstelle eines kostenlosen Nahverkehrs seien zunächst mehr Kapazitäten nötig, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, Jürgen Fenske, am Mittwoch in Berlin.

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