13.04.2018 - 17:22 Uhr
Deutschland & Welt

Unterstützung vom Betriebsrat: Diess soll VW-Umbau forcieren

Den Blick nach vorn richten - das ist bei VW die Marschroute. Der Diesel-Skandal wird weiter aufgearbeitet, aber in den nächsten Jahren will man vor allem bei den Zukunftsthemen stärker mitmischen.

von Agentur DPAProfil

Wolfsburg. Der neue Vorstandschef Herbert Diess will VW im Wettrennen mit anderen Herstellern und Technologiekonzernen schlagkräftiger machen. Sein Ziel sei es, beim größten Autohersteller der Welt das Tempo für Innovationen zu erhöhen und neue Akzente zu setzen, sagte der Manager am Freitag in Wolfsburg. Eine "Revolution" aber sei nicht geplant. Diess löst mit sofortiger Wirkung Matthias Müller ab, der im Konzern bleiben soll, aber noch keine klar umrissene Rolle hat.

Der neue Mann an der VW-Spitze - bisher Leiter der Kernmarke und früher bei BMW - kann seine Aufgaben mit einer großen Machtfülle angehen. Er behält in der Hauptsparte VW Pkw ebenfalls die Zügel in der Hand. Vom mächtigen Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh bekam Diess, der einen Fünf-Jahres-Vertrag erhält, Rückendeckung. Er begrüße es ausdrücklich, dass der Konzern und die Marke VW Pkw wieder in Personalunion geführt werden sollen, schrieb Osterloh in einem Brief an die Belegschaft. Diess verantwortet zusätzlich die Konzernentwicklung und -forschung. Außerdem lenkt er die Fahrzeug-IT - also alles rund um die Vernetzung des Autos. Zugleich führt Volkswagen neue Markengruppen ein: "Volumen" (VW, Skoda, Seat, leichte Nutzfahrzeuge), "Premium" (Audi) und "Super Premium" (Porsche, Bentley, Bugatti und Lamborghini). Dazu kommen die Einheiten Beschaffung/Komponente sowie Finanzdienstleistungen.

Für die Nutzfahrzeug-Einheit Truck & Bus sollen die Voraussetzungen eines Börsengangs geschaffen werden. Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch betonte, dass der Konzern bei einem möglichen Börsengang aber das Sagen über die Sparte behalten wolle. Der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) betonte: "Wir tragen die Beschlüsse mit Nachdruck mit." Er und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sitzen als Vertreter des Landes im Kontrollgremium.

Diess sagte weiter, man werde Optionen für nicht zum Kerngeschäft gehörende Teile prüfen. Dazu gehöre die Motorradmarke Ducati, deren Verkauf bisher am Widerstand im Aufsichtsrat gescheitert war. Die Aufseher beschlossen auch weitere Personalien: Gunnar Kilian, bisher Generalsekretär im Betriebsrat und Vertrauter Osterlohs, wird Personalvorstand und damit Nachfolger von Karlheinz Blessing. Dieser steht für die Dauer seiner Vertragslaufzeit als Berater zur Verfügung. Zugleich rückt Porsche-Chef Oliver Blume in den Konzernvorstand auf.

Saki Stimoniaris, der Betriebsratsvorsitzende von MAN, unterstützt die Börsenpläne für die Lastwagensparte. Die Arbeitsplatzgarantie für die rund 31 000 MAN-Mitarbeiter in Deutschland gelte unverändert fort, die Investitionen blieben "garantiert, ebenso wie der Fortbestand aller unserer Standorte und Bereiche", schrieb Stimoniaris am Freitag in einem Rundbrief an die Belegschaft.

Zur VW-Lastwagensparte gehören der schwedische Lkw-Bauer Scania und die MAN-Lastwagensparte - nicht aber die MAN-Sparte Diesel & Turbo, die Schiffsmotoren und Turbomaschinen baut. Der Hauptsitz der Sparte VW Truck & Bus soll von Braunschweig nach München umziehen. Die Sparte soll in eine europäische Aktiengesellschaft (SE) umgewandelt werden.

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