27.03.2018 - 13:58 Uhr
Deutschland & Welt

Verbraucher ändern Gewohnheiten Mini-Packungen auf dem Vormarsch

Mit abgepackten Lebensmitteln in immer kleineren Mengen will der Einzelhandel neuen Verzehrgewohnheiten Rechnung tragen. Doch der Trend dürfte die Preise treiben - und ist nicht umweltfreundlich.

Sie sind praktisch, aber teurer als Bohnen für normalen Filterkaffee: Kaffee-Kapseln. Trotzdem geht der Trend bei vielen Verbrauchern zu einzeln verpackten Lebensmitteln. Bild: Boris Roessler/dpa
von Agentur DPAProfil

Düsseldorf/Nürnberg. Cola in der 0,15-Liter Dose, Nutella im Mini-Glas und Lachs in der 50-Gramm-Packung: Immer häufiger stoßen Verbraucher in den Supermärkten auf Lebensmittel in kleinen Portionen. Für Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung ist das nicht verwunderlich: "Es gibt einen Trend zur Kleinpackung."

So bringt der US-Getränkeriese Coca-Cola im April neben der klassischen Getränkedose mit 330 Milliliter Cola eine Minidose auf den Markt - mit 150 Milliliter Brause. Ab Juni soll es auch Fanta in der Mini-Packung geben. "Aus Marktanalysen wissen wir, dass insbesondere der Wunsch der Verbraucher nach kleineren Verpackungen zunimmt", betont ein Unternehmenssprecher. "Die Menschen sind mobiler geworden, sie konsumieren mehr unterwegs, die Haushalte werden kleiner. Manche achten zudem verstärkt auf Zucker und Kalorien", heißt es beim Getränkeriesen.

Auch Brotaufstrich wie Nuss-Nougat-Creme landet bei den Deutschen immer öfter in kleineren Verpackungen als den klassischen 250-Gramm-Gläsern im Einkaufswagen. "Wir beobachten aktuell ein starkes Wachstum der kleineren Verpackungsgrößen, wenn auch noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau", berichtet Nina Gemko, Expertin für Konsumententrends bei Nielsen. Gerade kleinere, höherpreisige Gebinde entwickelten sich sehr positiv.

Der Siegeszug der Mini-Packungen werde gleich von mehreren aktuellen Trends beflügelt, meint der Branchenkenner Adlwarth. Ein Grund dafür sei die wachsende Zahl von Single-Haushalten und von Senioren, für die die klassischen Packungsgrößen oft überdimensioniert seien. Ein anderer Wachstumstreiber sei der Trend zum Außer-Haus-Verzehr. Wer einen Kleinigkeit zwischendurch essen wolle, sei mit einer Portionspackung einfach besser bedient.

Auch für den Handel und die Hersteller seien die neuen Formate interessant, betont Adlwarth. Sie versprächen häufig höhere Gewinnspannen. Tatsache ist: Wer Kaffee in Kapseln kauft, zahlt für das Kilogramm Bohnen ein Mehrfaches des Preises von "normalem" Filterkaffee. Auch wer Cola in der neuen Minidose kauft, muss damit rechnen, deutlich mehr pro Liter zu zahlen, als beim Kauf eines größeren Gebindes.

Doch ist das nicht der einzige Nachteil der Mini-Packungen. Auch der Berg an Müll wächst. Nach Zahlen des Umweltbundesamtes türmte er sich 2015 auf die Rekordmenge von 18,15 Millionen Tonnen. 8,5 Millionen davon entfielen auf private Verbraucher - das waren 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr und 15 Prozent mehr als 2009, wie Verpackungsexperte Gerhard Kotschik vom Umweltbundesamt sagt. Gesetzliche Möglichkeiten, diese Flut einzudämmen, sieht Kotschik nicht. Vielmehr seien die Verbraucher gefragt, beim Einkauf überflüssige Verpackungen zu vermeiden.

Fest steht, dass viele Kunden von vorportionierten Salaten, Gemüse in Kunststoffschalen und voluminösen Wurst-Packungen aus Plastik mit wenig Inhalt genervt sind. Das ergab eine Umfrage der Verbraucherzentrale Hamburg.

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