14.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Verbraucher trotz Rückgangs der Teuerungsrate besorgt Die gefühlte Inflation

Die Inflation in Deutschland ist so niedrig wie zuletzt vor mehr als vier Jahren. Doch die Wahrnehmung der Menschen ist eine andere: Von allen Problemen aus dem Bereich Wirtschaft beschäftigt die Preisentwicklung die Bundesbürger derzeit am meisten. Jeder Zweite sieht sich und seine Familie davon betroffen.

Foto aus HUP-Import
von Agentur DPAProfil

Das geht aus einer Studie der Universität Hohenheim und der ING-Diba hervor. Zwischen der "offiziellen" Inflation, die das Statistische Bundesamt nach einem repräsentativen Warenkorb berechnet, und der "gefühlten Inflation" klafft eine Lücke.

Bei 0,8 Prozent lag die jährliche Inflationsrate nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juli. Selbst der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln, der viel zur "gefühlten Inflation" beiträgt, kam in den vergangenen Monaten zum Erliegen. Im Juli wurden Molkereiprodukte und Brot teurer. Für Obst und Gemüse mussten die Verbraucher aber zum Teil deutlich weniger als im Vorjahr zahlen. Doch der Studie zufolge sind 42 Prozent der Deutschen der Ansicht, dass die meisten Produkte teurer werden, ein Viertel hat dieses Gefühl bei ausgewählten Produkten.

Bei Barzahlungen

"Viele Menschen haben das Gefühl, die Inflation steigt, wenn Produkte teurer werden, die bar bezahlt werden, wie beispielsweise Brötchen", sagt der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. Dass Fernseher billiger würden, kompensiere nicht den "Ärger über den Anstieg der kleinen Preise". Die Teuerungsrate, die das Statistische Bundesamt allmonatlich bekanntgibt, ist ein Durchschnittswert, der dem einzelnen Verbraucher und seinem Einkaufsverhalten nicht unbedingt gerecht wird. Grundlage für die Berechnung ist ein Warenkorb aus rund 600 Güterarten, der regelmäßig aktualisiert wird. Miet- und Energiekosten werden am stärksten gewichtet, aber auch Lebensmittel und Kosten für Freizeitaktivitäten werden darin berücksichtigt.

"Für die Konsumenten sind häufig andere Produkte wichtiger als die im offiziellen Warenkorb enthaltenen. Und die Verbraucher gewichten natürlich oft anders", sagt Claudia Mast, Studienleiterin und Professorin an der Uni Hohenheim. Die von der Wiesbadener Behörde ermittelte Rate sei vor allem für Konjunkturexperten wichtig, um festzustellen, ob die Wirtschaft funktioniere, sagt Kater. Verbrauchern bieten die Wiesbadener Statistiker auf ihrer Internetseite einen "persönlichen Inflationsrechner" an. Dort können sie die Gewichtung einzelner Warengruppen nach ihren persönlichen Ausgaben verändern und so erfahren, wie sehr sich ihr Leben verteuert hat.

Künftige Entwicklungen

Angesichts der jüngsten Tarifabschlüsse und niedriger Inflationsraten dürften in diesem Jahr Reallohnsteigerungen anstehen. Dennoch machten sich viele Menschen Gedanken, dass die Preise für Dinge, die für sie wichtig sind - wie Benzin, Mieten oder Heizkosten - schneller stiegen als ihre Löhne oder Renten, sagt Mast. Hinzu kommen Sorgen um künftige Entwicklungen: Viele befürchteten beispielsweise einen Anstieg der Inflation angesichts der Verschuldungspolitik vieler Staaten und der großzügigen Kreditvergabe der EZB, sagt Mast: "Solche Befürchtungen, die sich auf die Zukunft beziehen, werden in die Gegenwart projiziert. Sie verstärken das Gefühl, dass letztlich alles teurer wird."

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