28.02.2018 - 14:04 Uhr
Deutschland & Welt

Verkauf perfekt Finanzinvestoren übernehmen HSH Nordbank

Binnen eines Jahres mussten Hamburg und Schleswig-Holstein ihre Landesbank verkaufen. Nun zahlen die Käufer auch noch einen nennenswerten Preis. Die finanziellen Schmerzen der Nord-Länder lindert das nur wenig.

Die HSH Nordbank wird verkauft. Archivbild: Foto: Bodo Marks/dpa
von Agentur DPAProfil

Kiel/Hamburg. Finanzinvestoren aus den USA und Großbritannien kaufen die HSH Nordbank, die gemeinsame Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein. Die New Yorker Investmentgesellschaft Cerberus und der Investor J. Christopher Flowers übernehmen die meisten Anteile und halten künftig rund 80 Prozent des Instituts. Das teilten die Kieler Landesregierung und der Hamburger Senat am Mittwoch mit. Kleinere Anteile gehen an die amerikanische Gesellschaft Golden Tree und an Centaurus Capital aus London sowie an die österreichische Bawag, die Cerberus zuzurechnen ist.

Die Länder verkaufen 94,9 Prozent der Anteile. Die restlichen 5,1 Prozent lagen schon zuvor bei Flowers. Der Kaufpreis beträgt rund eine Milliarde Euro. Er könnte sich allerdings noch reduzieren, falls die Bank die Verlustgarantie der Länder von zehn Milliarden Euro nicht voll in Anspruch nimmt. Diese Garantie soll vorzeitig beendet und an die Käufer ausgezahlt werden. Dafür erhalten die Länder einen Ausgleichsbetrag von 100 Millionen Euro. Einem entsprechenden Kaufvertrag stimmten Senat und Landesregierung am Mittwoch zu. Er steht noch unter verschiedenen Vorbehalten. So müssen der Kieler Landtag und die Hamburger Bürgerschaft zustimmen, ebenso wie die EU-Kommission, die Finanzaufsicht Bafin und die Europäische Zentralbank (EZB).

Notwendig geworden war der Verkauf durch eine Auflage der EU-Kommission, nachdem die Länder die Bank zwei Mal mit staatlichen Mitteln vor der Insolvenz gerettet hatten. Für die Länder endet damit ein Finanzdesaster, dass sich über rund zehn Jahre hingezogen hat und von zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Fehleinschätzungen sowie Irrtümern geprägt war. Die Verluste für die beiden Länderhaushalte zusammen bewegen sich mindestens im zweistelligen Milliardenbereich und führten zu einer steigenden Verschuldung von Hamburg und Schleswig-Holstein. Der Finanzinvestor Cerberus des New Yorker Geschäftsmannes Stephen Feinberg hält unter anderem Anteile an Commerzbank, Deutscher Bank sowie - über die Bawag-Beteiligung - Stuttgarter Südwestbank und Deutscher Ring Bausparkasse. Der Gesamtbetriebsrat der HSH Nordbank sieht den Verkauf zwar positiv, befürchtet aber den Abbau von Arbeitsplätzen. "Wir begrüßen die Fortführung der Bank", sagte Olaf Behm, Gesamt- und Konzernbetriebsratschef am Mittwoch in Kiel. "Denn es dürften so mehr Arbeitsplätze erhalten bleiben, als bei einer Abwicklung der HSH Nordbank übrig geblieben wären." Nach Angaben Behms hat die HSH Nordbank noch 1050 Mitarbeiter in Hamburg und 698 in Kiel, konzernweit sind es rund 2000.

Die bisher im Staatsvertrag geregelte Konstruktion von zwei formal gleichwertigen Standorten falle mit der Privatisierung weg. Weiter sagte Behm, er hoffe, dass mit den neuen Eigentümern der Rahmensozialplan, der bis März 2019 gelte, verlängert werde. Er regle etwa Vorruhestandsregelungen, Qualifizierungsmaßnahmen und Abfindungen.

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