17.08.2017 - 21:28 Uhr
Deutschland & Welt

Verkaufsverhandlungen am Freitag Lufthansa will sich bei Air Berlin bedienen

Unter hohem Zeitdruck will sich Lufthansa große Teile der Air Berlin einverleiben. Schon in der kommenden Woche könnte nach einem Bericht alles klar sein. Für die Beschäftigten sind die Aussichten trübe.

von Agentur DPAProfil

Berlin/Frankfurt. Nach dem Insolvenzantrag der Air Berlin sind für diesen Freitag konkrete Verkaufsverhandlungen für die zweitgrößte deutsche Airline geplant. Der deutsche Marktführer Lufthansa will sich aus der Insolvenzmasse einen großen Teil der Flugzeuge sichern. Es könne um rund 90 der 144 Flugzeuge gehen. Das wurde am Donnerstag entsprechende Informationen der "Süddeutschen Zeitung" in Unternehmenskreisen bestätigt. Weiter Gespräche soll es nach dpa-Informationen mit Easyjet und Tuifly geben.

Lufthansa sieht sich unter Zeitdruck, so dass die seit Monaten vorangetriebenen Verhandlungen kommende Woche abgeschlossen werden könnten, wie die Zeitung erfuhr. Mit dem Air-Berlin-Vorstand und dem Sachwalter Lucas Flöther solle über das Wochenende verhandelt werden.

Die Kunden von Air Berlin konnten unterdessen am Donnerstag keine Bonusmeilen einlösen. Der Dienst des Vielflieger-Programms Topbonus sei vorübergehend nicht verfügbar, sagte eine Sprecherin des Großaktionärs Etihad, dem Topbonus gehört. Man warte auf Infos von Air Berlin.

Laut Vorstandschef Thomas Winkelmann steht die Airline seit Wochen mit Kaufinteressenten in Kontakt. Alle seien "in finanzieller Hinsicht seriös, vom Volumen her ausreichend groß, um Air Berlin eine sichere Zukunft zu bieten, und hätten zudem das Interesse, weiterhin vom Standort Deutschland aus zu operieren", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er nannte keine Namen außer den der Lufthansa. Während Gläubiger von Air Berlin nach dem Insolvenzantrag um ihr Geld bangen, hat Winkelmann diese Sorge nicht. Zur Absicherung der Verpflichtungen aus seinem bis Januar 2021 laufenden Vertrag gibt es eine Bankgarantie von bis zu 4,5 Millionen Euro. Darauf hat der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Michael Kunert, hingewiesen. Winkelmanns Grundgehalt liegt bei 950 000 Euro im Jahr

Die Gewerkschaft Verdi fürchtet, dass die Interessenten nur die Flugzeuge kaufen wollen und die mehr als 8000 Beschäftigten von Air Berlin sich neu bewerben müssen. "Dann wären Lohnverluste von bis zu 50 Prozent zu befürchten", sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle nach einem Gespräch mit Air-Berlin-Personalchefin Martina Niemann. Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo kritisierte: "Die Bieter wollen nur das Blech, und die Leute können sehen, wo sie bleiben." Tarifvorstand Nicoley Baublies appellierte an die Politik, die Arbeitsplätze zu aktuellen Bedingungen zu sichern.

Lufthansa will neben 38 gemieteten Air-Berlin-Jets die österreichische Tochter "Niki" und weitere Flugzeuge übernehmen. Sie sollen unter Lufthansa-Tochter Eurowings starten. In der Zahl seien auch die meisten der 17 Langstrecken-Flugzeuge der Air Berlin enthalten, die ebenfalls an die Eurowings gehen sollen.

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