Volkswagen-Konzern
Moia als 13. Tochter

VW-Manager Ole Harms (links) soll die neue Mobilitätsmarke Moia von Volkswagen leiten. Neben ihm drn VW-Vorstandsvorsitzende. Bild: Matthias Leitzke/VW/dpa

Von Christoph Dernbach, dpa

London. Volkswagen gehört in der internationalen Auto-Szene nicht zu den Trendsettern. Andere Hersteller hatten längst viele Kunden für Minivans oder Geländewagen begeistert, ohne dass man bei VW ein vergleichbares Angebot fand. Umso spektakulärer fielen dann die Erfolge mit Modellen wie dem VW Touran aus, als Volkswagen Jahre später auf den Trend reagierte. Auch bei Mobilitätsdienstleistungen will Volkswagen nun den Markt von hinten aufrollen.

Sitz in Berlin

Auf der Technologiekonferenz "TechCrunch Disrupt" präsentierte Volkswagen nun die 13. Konzerntochter, die langfristig weltweit zu den Top drei der Mobilitätsdienstleister gehören soll. "Mit Moia wollen wir neue Formen von Mobilität besser verstehen lernen, zukünftig noch attraktiver gestalten", erklärte Konzernchef Matthias Müller zum Start des neuen Unternehmens, das in Berlin angesiedelt wird. "Auch wenn künftig nicht mehr jeder ein eigenes Auto besitzen wird, wollen wir mit Moia dazu beitragen, dass jeder auf die eine oder andere Art Kunde unseres Unternehmens sein kann." Im ersten Jahr geht es darum, die Firma aufzubauen. Derzeit arbeiten 50 Beschäftigte für Moia, Ende 2017 sollen es rund 200 sein. Bei der Suche nach den Entwicklern, die die Mobilitätslösungen der Zukunft programmieren sollen, setzt Moia-Chef Ole Harms nicht unbedingt auf die Begeisterung für Autos, sondern auf höhere Ziele. "Wir suchen Wege, das Leben insbesondere in den Städten besser zu machen. Unsere Lösungen werden einen positiven Effekt auf die Umwelt haben und Lärm und Luftverschmutzung reduzieren."

Fahrtenvermittlung

Zwei Geschäftsfelder hat Moia besonders im Visier: Zum einen geht es um die Fahrtenvermittlung via App ("Ride Hailing"), wie sie auch der große US-Konkurrent Uber anbietet. Das zweite Geschäftsfeld nennt Moia "Pooling". Hier werden ganzheitliche Transportlösungen angestrebt, die den Individualverkehr und den öffentlichen Verkehr effizienter gestalten. Die moderne Variante der Sammeltaxis soll unnötige Einzelfahrten im Auto vermeiden und die Straßeninfrastruktur besser nutzen. Im Gegensatz zu Uber sucht Moia von Beginn an den Dialog mit den Kommunen und Regulierungsbehörden, um mögliche Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Das könnte dazu führen, dass der Uber-Konkurrent Gett, an dem Volkswagen finanziell beteiligt ist, Dienste in Deutschland anbieten wird. Bislang ist das Start-up aus Israel in rund 100 Städten wie London, Moskau und Tel Aviv aktiv, nicht aber im Heimatland von Volkswagen.

Mit Argusaugen wird auch das Taxi-Gewerbe die Aktivitäten von Moia betrachten. Doch auch hier setzt Moia eher auf Zusammenarbeit als auf Konfrontation. "Die Taxi-Unternehmen haben längst den Veränderungsbedarf selbst erkennt", sagt Harms. Sein Unternehmen gehe davon aus, dass menschliche Fahrer noch für eine lange Zeit gebraucht werden und nicht schon in den kommenden Jahren von autonom fahrenden Vehikeln abgelöst werden. "Die Fahrer nehmen eine Schlüsselposition bei der Qualität der Dienste ein."
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