Vor Beginn der IAA
Diesel-Schatten über der Automesse

"Ich habe noch keine Bewerbung von Herrn Kretschmann erhalten. Kluge Grüne sind für uns als Ratgeber immer hilfreich." Zitat: VDA-Chef Matthias Wissmann über einen Grünen an der Spitze des Verbandes

"Zukunft erleben" lautet das Motto der 67. IAA, die am Donnerstag von Kanzlerin Merkel eröffnet wird. Doch vor der Frankfurter Mega-Schau muss sich die Industrie erneut mit dem Diesel-Desaster befassen.

Frankfurt/Main. Unmittelbar vor dem Beginn der Internationalen Automobilausstellung (IAA) hat die Diesel-Debatte die deutsche Autoindustrie weiter im Griff. Die Hersteller wollen auf der am Donnerstag in Frankfurt startenden Autoschau vor allem Kompetenz in den Zukunftsfeldern alternativer Antriebe und digitaler Anwendungen beweisen. Doch einstweilen sorgen sinkende Restwerte gebrauchter Dieselautos für schlechte Stimmung in der Branche.

Wert der Benziner steigt

In den Werkstätten und Autohäusern herrscht laut einer Verbandsumfrage eher miese Stimmung. Die Betriebe verzeichneten im laufenden dritten Quartal einen schleppenden Geschäftsverlauf und seien auch bis zum Jahresende pessimistisch, schilderte der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK). Die von den Herstellern ausgelobten Abwrackprämien für alte Diesel spielen demnach noch keine große Rolle. Die Preise für umweltschädliche Diesel-Gebrauchtwagen werden nach Einschätzung des Marktbeobachters Schwacke weiterhin deutlich unter Druck stehen. Sinkende Nachfrage seitens verunsicherter Kunden und ein steigendes Angebot insbesondere aus den Flotten der Unternehmen würden zu sinkenden Restwerten führen, berichtete der Dienstleister.

Umgekehrt stiegen die im Angebot knappen Benziner bei steigender Nachfrage relativ im Wert, erwartet Schwacke. Hier sei aber immer die Relation zu derzeit recht günstigen Neuwagen zu beachten, die von den Herstellern unter anderem über hohe Abwrackprämien angeboten werden. Die deutsche Autoindustrie lehnt es ab, ältere Diesel-Fahrzeuge mit baulichen Veränderungen sauberer zu machen, wie Umweltministerin Barbara Henricks (SPD) erneut verlangt hatte. Änderungen der Fahrzeug-Hardware seien bei einer Vielzahl von Modellen überhaupt nicht möglich, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Ihre beim Diesel-Gipfel gegebenen Zusagen zu Software-Nachrüstungen würden die Hersteller hingegen so erfüllen, erklärte Wissmann. Der Verband will bei der IAA den "Megatrend" Digitalisierung zeigen. Allein in das vernetzte und automatisierte Fahren investiere die deutsche Industrie bis zum Jahr 2020 zwischen 16 und 18 Milliarden Euro, in alternative Antriebe im selben Zeitraum rund 40 Milliarden Euro. Die Zahl der Elektromodelle deutscher Hersteller werde sich von 30 auf 100 mehr als verdreifachen. Im Jahr 2025 rechnet der VDA mit einem Elektro-Marktanteil zwischen 15 und 25 Prozent. Wegen der hohen Entwicklungsinvestitionen will Daimler bei seiner Hauptmarke Mercedes-Benz die Kosten drücken.

"Um sicherzustellen, dass wir so profitabel bleiben, wie wir sind, haben wir ein neues Programm aufgelegt, das uns einen Schub von zusätzlichen 4 Milliarden Euro über die kommenden Jahre bringen soll", sagte Vorstandschef Dieter Zetsche in Sindelfingen auf einer Investorenveranstaltung. Gespart werden solle beispielsweise durch eine schnellere Markteinführung neuer Produkte sowie geringere Material- und Produktionskosten.

Ärger bei Opel

Beim vom französischen PSA-Konzern übernommenen Hersteller Opel gärt es derweil. Im Werk Eisenach sind Berichten zufolge Vorbereitungen für den Bau des neuen Mokka unterbrochen worden, der noch auf General-Motors-Technik basiert. Möglicherweise werden Einsparmöglichkeiten geprüft. Darüber hinaus sorgte der Artikel über Tavares und Opel-Chef Michael Lohscheller für Unmut. Beide Automanager hatten sich am Nürburgring in Rennanzügen fotografieren lassen. Tavares hatte erneut deutlich gemacht, dass allein dauerhafte Gewinne die Jobs bei Opel sichern könnten. "Wir halten nichts von solchen öffentlichen Selbstinszenierungen", teilte der Gesamtbetriebsrat in einem internen Rundschreiben mit.

Ich habe noch keine Bewerbung von Herrn Kretschmann erhalten. Kluge Grüne sind für uns als Ratgeber immer hilfreich.VDA-Chef Matthias Wissmann über einen Grünen an der Spitze des Verbandes
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