27.08.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Vorstandsvorsitzender Daniel Kerper und Luitpoldhütte trennen sich - Volle Auftragsbücher Abermals Ein-Mann-Spitze bei LH

Getuschelt wurde hinter vorgehaltener Hand schon seit Wochen. Jetzt hat der Aufsichtsratsvorsitzende der Luitpoldhütte AG, Christoph W. Röder (Wollerau/Schweiz), die kurz gehaltene Bestätigung geliefert: Daniel Kerper ist nicht mehr Vorstandsvorsitzender der boomenden Gießerei an der Sulzbacher Straße.

Steht ab sofort wieder alleine an der LH-Spitze und auch in der Verantwortung: Heinz Wiesnet.
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Die Erklärung hätte knapper kaum ausfallen können: "Der Aufsichtsrat der Luitpoldhütte und Daniel Kerper haben sich im gegenseitigen Einvernehmen darauf verständigt, den mit 30. September auslaufenden Dienstvertrag von Herrn Kerper nicht zu verlängern. Der Aufsichtsrat dankt Herrn Kerper für seine vielseitigen Bemühungen und positiven Impulse während seiner Tätigkeit bei der Luitpoldhütte. Herr Heinz Wiesnet wird die Geschäfte als alleiniger Vorstand bis auf Weiteres führen."

Selbst geführt

Kerper hatte seine Stelle erst zum 1. Oktober 2010 angetreten - als Nachfolger des im Dezember 2009 ausgeschiedenen Françoise Hoffmann (AZ berichtete). In der Zeit dazwischen hatte Vorstand und Arbeitsdirektor Heinz Wiesnet die Geschäfte des Unternehmens interimsweise selbst geführt. Dies wird nun abermals auf ihn zukommen.

Auf eigenen Wunsch hat unterdessen ein weiterer ehemaliger LH-Vorstandsvorsitzender Abschied genommen: Daniel von Arb hatte diese Position vom Jahr 2000 bis 2005 inne. Er war danach als Produktionsleiter tätig und zuletzt zuständig für Engineering. Mit Ablauf des Monats August endet auch dies und der Schweizer wendet sich anderen beruflichen Zielen zu.
Nach der Trennung von Kerper und LH wird sich der Aufsichtsrat in seiner nächsten Sitzung am 27. September wohl mit der Nachfolgeregelung befassen. "Laut Gesetz", so sagte Vorstand Wiesnet, "müssen wir zu zweit sein." Eine Zwischenlösung, wie sie im vergangenen Jahr von Januar bis September praktiziert wurde, sei gesetzeskonform, "wenn man sich bemüht, einen zweiten Mann zu finden". Eine Regelung, die nun abermals greifen dürfte.

Dabei haben alle LH-Beschäftigten, vom Staplerfahrer bis zum Vorstand, derzeit alle Hände voll zu tun, um den Nachfragen von Kunden "halbwegs Rechnung tragen zu können", wie Heinz Wiesnet formuliert. Die Auftragsbücher sind nicht nur aktuell voll, sondern in Teilbereichen bereits für 2012. So habe Fendt für nächstes Jahr seine Zulieferer um "tatkräftige Unterstützung" gebeten, da nach der Vergrößerung der Produktionsfläche in Marktoberdorf - von 40 000 auf 100 000 Quadratmeter - beabsichtigt sei, ein Ziel von 20 000 Traktoren pro Jahr anzustreben.

Bestimmte Lärmwerte

Um bei den aktuellen Kundenwünschen am Ball zu bleiben, hat die LH nach Ablauf der Werksferien den Drei-Schichten-Betrieb (samstags je zwei Schichten) aufgenommen. "Wir haben dafür die Genehmigung der Stadt bekommen", informiert Wiesnet - allerdings unter der Maßgabe, dass bestimmte Lärmwerte nicht überschritten werden.

Man sei (berechtigten) Beschwerden nachgegangen und arbeite in Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde an der Ursachenbehebung. "Dafür bedarf es aber auch einer gewissen Disziplin seitens unserer Mitarbeiter", weiß der Vorstand. Dort, wo Fehlerquellen kurzfristig abgestellt werden konnten, sei dies schon geschehen. In anderen Bereichen bedürfe es der einen oder anderen Investition. So seien unterdessen Schalldämpfer auf Kaminen installiert worden und eine Verbesserung eingetreten.

Erhöhungen durchgesetzt

Als erfreulich wertet Wiesnet die Tatsache, dass die Luitpoldhütte gegenüber ihren Abnehmern nach längerer Zeit des Ausharrens nun Preiserhöhungen habe durchsetzen können. Ein unumgänglicher Schritt, schließlich müsse das Unternehmen selbst wesentlich mehr Geld beispielsweise für Schrott und Sand ausgeben, als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. (Angemerkt)

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