23.02.2018 - 18:22 Uhr
Deutschland & Welt

VW fährt der Krise davon Rekordzahlen trotz Diesel-Lasten

Milliardengewinne, bestes Betriebsergebnis der Firmengeschichte: VW manövriert sich scheinbar unerschütterlich durch die Diesel-Krise. Doch kann der Konzern die Affäre tatsächlich hinter sich lassen?

Der Volkswagen-Konzern hatte 2017 mehr Autos ausgeliefert als je zuvor. 10,74 Millionen Fahrzeuge gingen an Kunden. Bild: Julian Stratenschulte/dpa
von Agentur DPAProfil

Wolfsburg. Unbeeindruckt von der Diesel-Krise fährt der Autobauer Volkswagen zu Rekordwerten bei Umsatz und Ergebnis. Mit unterm Strich 11,4 Milliarden Euro fiel der auf die Aktionäre entfallende Gewinn mehr als doppelt so hoch aus wie im Vorjahr, wie der Konzern am Freitag auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Das war auch ein größerer Überschuss als 2014, dem letzten vollen Jahr vor dem Bekanntwerden der Software-Manipulationen an Diesel-Motoren.

Insgesamt bleibt "Dieselgate" aber durchaus präsent. Bezeichnend ist, dass Vorstandschef Matthias Müller am gleichen Tag dem Aufsichtsrat nicht nur Auskunft über den Geschäftsverlauf geben sollte, sondern auch über die umstrittenen Tierversuche mit Abgasen an Affen. Diese Versuche hatten VW sowie Daimler und BMW mitfinanziert.

VW hatte 2017 mit einem Absatzplus von 4 Prozent auf 10,74 Millionen ausgelieferte Pkw und Nutzfahrzeuge den Spitzenplatz als weltweit größter Autokonzern verteidigt. Der Umsatz stieg um 6,2 Prozent auf 230,7 Milliarden Euro. Das um Sondereinflüsse - nämlich die Folgen der Abgas-Affäre mit Millionen von manipulierten Dieselmotoren - bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte vor allem dank des Erfolgs mit den angesagten und teuren Stadtgeländewagen (SUV) um 16,5 Prozent auf rund 17,0 Milliarden Euro zu. Der Umsatz soll im laufenden Jahr um bis zu 5,0 Prozent steigen, der Auslieferungsrekord von 2017 leicht übertroffen werden.

Inklusive der Kosten für die Diesel-Affäre verdoppelte sich das operative Ergebnis auf 13,8 Milliarden Euro, obwohl die Wolfsburger 2017 erneut 3,2 Milliarden Euro für die Bewältigung der Krise verbuchen mussten. Ein so hohes Betriebsergebnis hat Volkswagen noch nie eingefahren. Insgesamt stieg die Rechnung für die Folgen des Abgas-Skandals auf über 25 Milliarden Euro. Dennoch hat VW reichlich Geld in der Kasse: Die Netto-Liquidität sank zum Jahresende zwar um 17,7 Prozent, beträgt aber immer noch fast 22,4 Milliarden Euro.

Ein Grund für das robuste Abschneiden: Unter anderem spielen die Diskussionen um den Diesel im Ausland längst keine so große Rolle wie in Deutschland. Zudem steht VW mit seinen zwölf Fahrzeugmarken auf vielen Füßen.

Schwächer fiel das anteilige operative Ergebnis der chinesischen Gemeinschaftsunternehmen aus: 4,7 Milliarden Euro nach 5 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Dieses Geschäft ist in den Umsatz und in das Ergebnis des Konzerns allerdings nicht einbezogen, sondern nur unter dem Strich. Die Zahl der Auslieferungen an Kunden in China war 2017 um 5,1 Prozent auf 4,2 Millionen Neuwagen gestiegen. Die Dividende soll auf 3,90 (Vorjahr 2,00) Euro je Stammaktie und 3,96 (2,06) Euro je Vorzugsaktie steigen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg zuletzt um 2,5 Prozent auf weltweit über 642 000 Menschen.

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