Wechsel an der Spitze der Deutschen Bank
Christian Sewing beerbt John Cryan

Christian Sewing 2016 während der Hauptversammlung der Deutschen Bank. Er wird neuer Chef des Geldinstituts - und damit Nachfolger von John Cryan. Archivbilder: Arne Dedert/dpa
 
John Cryan, Ex-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank.

Showdown bei der Deutschen Bank: Die Zeit des Sanierers John Cryan als Vorstandschef geht nach verlustreichen Jahren zu Ende. Sein Nachfolger kommt aus den eigenen Reihen.

Frankfurt. Erneuter Führungswechsel bei der verlustreichen Deutschen Bank nach nur knapp drei Jahren: Vize-Vorstandschef Christian Sewing rückt an die Spitze des größten deutschen Geldhauses vor und wird damit Nachfolger von John Cryan, der das Amt abgibt.

Das gab das Unternehmen am Sonntagabend in Frankfurt am Main bekannt. Sewing führt bisher das Privat- und Firmenkundengeschäft des Frankfurter Instituts und ist zudem Co-Vizechef. Das Geldhaus war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Der Aufsichtsrat segnete die Personalie bei einer Telefonkonferenz noch am späten Sonntagabend ab. Dabei wollte Aufsichtsratschef Paul Achleitner der Form halber zwei Kandidaten vorschlagen: Sewing und einen externen Kandidaten, wie zu hören war. Der 47-jährige Sewing übernimmt den Spitzenposten mit sofortiger Wirkung. Zuvor hatten der "Spiegel", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und das "Handelsblatt" über den Wechsel berichtet.

Fast ein Eigengewächs

Sewing verbrachte sein Berufsleben fast ausschließlich bei der Deutschen Bank. Sein Weg führte ihn von einer Banklehre bis in den Vorstand des Instituts, dem er seit 2015 angehört.

Die Deutsche Bank hatte am späten Samstagabend mitgeteilt, dass sich der Aufsichtsrat am Sonntag mit dem Vorstandsvorsitz beschäftigen werde. In seinen knapp drei Jahren an der Spitze des Dax-Konzerns war es Cryan nicht gelungen, das schwächelnde Kapitalmarktgeschäft anzukurbeln. Drei Jahre in Folge schrieb die Bank tiefrote Zahlen. Die Aktie hat seit Jahresbeginn erheblich an Wert verloren. Der Vertrag des Briten läuft regulär noch bis 2020. Der zweite Co-Vizechef Marcus Schenck, der ebenfalls als Kandidat für den Vorstandsvorsitz galt, steht zudem vor dem Absprung, wie in den Finanzkreisen weiter zu hören war. Er ist derzeit für das Firmenkundengeschäft und das Investmentbanking zuständig.

Kämpferische Botschaft

Achleitner hatte den als Sanierer geschätzten ehemaligen UBS-Finanzchef Cryan zur Deutschen Bank geholt. Zuletzt galt das Verhältnis zwischen den beiden aber als zerrüttet. Vor Ostern hatte sich der Brite noch mit einer kämpferischen Botschaft an die Belegschaft gewandt und damit klargemacht, dass er bleiben will.

Investoren hatten dem Briten Cryan oft vorgeworfen, er sei zwar ein Kostensparer, habe aber keine Vision, wie die Deutsche Bank wieder Geld verdienen könne. Zwar hat der Bankchef einen Teil der problematischen Themen inzwischen abgearbeitet, allen voran gefährliche Rechtsstreitigkeiten. Jedoch ist es ihm bislang nicht gelungen, das einst so gewinnträchtige Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank auf Vordermann zu bringen.

Zur Person: Christian SewingBis auf ein zweijähriges Intermezzo bei der Deutschen Genossenschafts-Hypothekenbank verbrachte der gebürtige Westfale Christian Sewing (47) sein Berufsleben bei der Deutschen Bank. Von der Ausbildung als Bankkaufmann über ein berufsbegleitendes Studium an der Bankakademie in Bielefeld und Hamburg führte ihn sein Weg ganz nach oben. Seit 2015 sitzt der Manager im Vorstand des Instituts. Im vergangenen März wurde er ebenso wie Marcus Schenck, der das Investmentbanking verantwortet, zum stellvertretenden Vorstandschef befördert. Erfahrungen im Ausland sammelte der begeisterte Tennisspieler unter anderem in Singapur, Toronto, Tokio und London. Sewing arbeitete im Risikomanagement und kennt daher auch das Investmentbanking - das Sorgenkind des Konzerns. (dpa)
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