Wegen Zinsmanipulation
Mega-Strafe für Großbanken

Das HSBC-Logo leuchtet in Hong Kong. Bild: dpa

Banker verabreden sich in Chatrooms zu Zinsmanipulationen: Der Skandal beschäftigt Behörden und Gerichte seit Jahren. Jetzt schließt die EU-Kommission den Fall mit einer saftigen Strafforderung vorerst ab.

Brüssel. Die drei Großbanken Crédit Agricole, HSBC und JPMorgan Chase sollen wegen Zinsmanipulationen insgesamt 485 Millionen Euro Strafe an die EU-Kommission zahlen. Dies teilte EU-Wettbewerbskommisssarin Margrethe Vestager am Mittwoch in Brüssel mit. "Die Banken müssen sich an geltendes Recht halten, so wie jedes andere Unternehmen im Binnenmarkt", sagte Vestager. Ziel sei der Schutz der Kreditmärkte und letztlich der Verbraucher. Das französische Institut Crédit Agrigole kündigte Widerspruch an.

Für die EU-Kommission ist es der Abschluss jahrelanger Ermittlungen zum sogenannten Euribor-Skandal, in den auch die Deutsche Bank verwickelt war. Deutschlands größtes Geldhaus und andere Banken hatten den Fall für sich 2013 mit einem Vergleich mit der EU-Kommission abgeschlossen. Auf die Deutsche Bank entfiel damals eine Strafe von insgesamt 725 Millionen Euro, weil sie nicht nur an der Manipulation des Euribor, sondern auch des internationalen Pendants Libor beteiligt gewesen war. Die jetzt bestraften Häuser hatten den Vergleich damals nicht akzeptiert.

In den Jahren 2005 bis 2008 hatten sich nach Erkenntnissen der EU-Kommission insgesamt sieben Banken über die gewünschte Höhe des Referenzzinssatzes Euribor abgestimmt, der für sogenannte Derivate relevant ist. Die Abkürzung steht für Euro Interbank Offered Rate. Der Satz soll die Kosten widerspiegeln, wenn sich Banken gegenseitig Geld leihen. Er wird auf Grundlage von Bankangaben täglich neu festgesetzt.

Nach Erkenntnissen der Kommission sprachen sich jedoch Händler der sieben Banken in Chatrooms im Internet ab, um den Zinssatz zu ihren Gunsten zu verfälschen und damit möglichst hohe Profite einzustreichen. Das bedeutet aus Sicht der Kommission: Die sieben Banken haben auf dem Markt für Euro-Derivate zusammengearbeitet statt miteinander zu konkurrieren.

Von der Gesamtsumme muss die US-Bank JPMorgan Chase mit gut 337 Millionen Euro bei weitem den größten Anteil schultern. Gegen Crédit Agricole verhängte die Kommission knapp 114,7 Millionen Euro Buße. Crédit Agricole erklärte, man sei überzeugt davon, nicht gegen Wettbewerbsrecht verstoßen zu haben. Deshalb werde man die Entscheidung der Kommission anfechten.

Libor und Euribor: Zinssätze im ZwielichtÜber Jahre hinweg haben Mitarbeiter mehrerer Großbanken weltweit bei wichtigen Referenzzinsen für Geldgeschäfte untereinander getrickst. An den Zinssätzen Libor und Euribor orientieren sich Geschäfte in Billionenhöhe - von privaten Baukrediten bis zu komplexen Derivate-Geschäften.

Einige Geldhäuser mussten im Libor-Skandal bereits hohe Bußgelder zahlen. Im Dezember 2013 verhängte die EU-Kommission eine Rekordstrafe von 1,7 Milliarden Euro gegen mehrere Großbanken. Die Deutsche Bank musste den Löwenanteil von 725 Millionen Euro tragen. In den USA und Großbritannien musste das Institut eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen.

Der Libor (London Interbank Offered Rate) wurde seit den 1980er Jahren jeden Vormittag von der British Bankers' Association (BBA) festgelegt. Für die Berechnung meldeten die nach Marktaktivitäten wichtigsten Banken weltweit die Zinsen, die sie aktuell für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen mussten. Daraus wird ein Mittelwert errechnet. (dpa)
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