27.01.2017 - 13:56 Uhr
Deutschland & Welt

Weniger Falschgeld aus dem Verkehr gezogen Plumpe Tricks und moderne Technik

Porträtfenster, Smaragdzahl: An den Sicherheitsmerkmalen der neuen Euro-Banknoten versuchen sich Geldfälscher bislang vergeblich. Doch sie landen auch mit besonders einfachen Blüten erstaunliche Erfolge.

Zu den gefälschten Euro-Banknoten, die aus dem Verkehr gezogen wurden, gehört auch eine Original-Banknote aus Simbabwe. Diese wurde von den Fälschern zu einem 500-Euro-Schein "umgearbeitet". Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Frankfurt. Zumindest Farbe und Größe passen, sonst hat der lila 500er aus Simbabwe wenig mit dem 500-Euro-Schein gemein. Doch Fälscher motzten den Schein, der umgerechnet gerade einmal gut 1,20 Euro wert ist, mit wenigen Federstrichen zur wertvollsten Euro-Banknote auf: Die Kuhdarstellung auf der Rückseite verschwinden unter der modernen Brücke, die den 500-Euro-Schein ziert, das nachträglich aufgebrachte Euro-Zeichen auf der Vorderseite und die Europaflagge suggerieren zusätzlich Seriosität. Die Masche hat offensichtlich Erfolg: In der Ukraine bringen Kriminelle im vergangenen Jahr etliche dieser Blüten in Umlauf.

Solche Fälle sind mit dafür verantwortlich, dass die Schadenshöhe durch Falschgeld in Deutschland auf vergleichsweise hohem Niveau verharrt, obwohl im vergangenen Jahr hierzulande weniger Blüten aus dem Verkehr gezogen wurden als 2015. Insgesamt 82 150 Stück zählte die Bundesbank nach mehr als 95 000 ein Jahr zuvor. Der Schaden sank von 4,4 Millionen auf 4,2 Millionen Euro. Weltweit richteten Kriminelle 2016 mit gefälschten Euro-Banknoten einen Schaden von rund 40 Millionen Euro an, 2015 waren es noch 39,1 Millionen. Hauptgrund für den Anstieg war ein Fall aus England: Einem Diamantenhändler wurden bei einem Geschäft 500-Euro-Blüten im großen Stil untergeschoben. Aus dem Verkehr gezogen wurden weltweit 684 000 falsche Euro-Scheine. Das war ein Rückgang von 24 Prozent gegenüber dem Höchstwert des Vorjahres (899 000 Fälschungen).

"Trotz des Rückgangs der Stückzahlen ist das Falschgeldniveau nach wie vor vergleichsweise hoch", bilanziert Rainer Elm, Leiter des Nationalen Analysezentrums der Bundesbank. "Das liegt vor allem daran, dass Falschgeld zunehmend über dunkle Kanäle im Internet verbreitet wird." Dort mischten immer mehr auch junge Leute mit. Auch ihr Material kaufen viele Fälscher im Darknet: Mit ein paar Klicks kann sich im Grunde jeder zum Beispiel glitzernde Hologramm-Sticker besorgen und damit billige Farbkopien veredeln.

Der Fünfziger war 2016 einmal mehr der am häufigsten gefälschte Schein - sechs von zehn Euro-Blüten in Deutschland (61 Prozent) waren 2016 ein Fünfziger. Die Währungshüter hoffen auf die Trendwende durch den runderneuerten Fünfziger, der vom 4. April an in Umlauf gebracht werden soll. Wie der neue Zwanziger, den es seit November 2015 gibt, hat der Fünfziger der zweiten Euro-Generation ein durchsichtiges Porträtfenster und eine glänzende Smaragdzahl - Merkmale, an denen sich Fälscher bisher die Zähne ausbeißen.

Bis Ende 2018 sollen auch der 100- und der 200-Euro-Schein in überarbeiteter Version eingeführt sein, die Ausgabe des 500ers wird dann eingestellt, um auch dieses Einfallstor für Kriminelle zu schließen. Banknoten-Experte Elm warnt jedoch vor trügerischer Sicherheit: "Die Einführung einer neuen Banknotenserie ist zwar ein Meilenstein, wir müssen aber noch mehr für Prävention tun."

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