26.02.2017 - 20:01 Uhr
Deutschland & Welt

Wenn Papierkram ein Graus ist: Hilfe bei der Steuererklärung

Wer nicht den Nerv hat, seine Steuererklärung selbst zu erledigen, oder Fragen hat, kann sich Hilfe holen - etwa beim Steuerberater. Doch wie finden Steuerzahler den passenden Experten? Gibt es auch Alternativen?

Für viele ist die Steuererklärung ein Graus. Erleichternd, wenn jemand anderes das übernimmt. Bei der Auswahl des Steuerberaters kommt es aber nicht nur auf Sympathie an. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Im Schnitt bekommen Steuerzahler etwa 900 Euro pro Jahr zurück, wenn sie ihre Einkommensteuererklärung beim Finanzamt abgeben. "Bei vielen Arbeitnehmern ist die Sache gar nicht so kompliziert", sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Sie können die Erklärung über Elster - also die Elektronische Steuererklärung - und mit Hilfe von Steuersoftware selbst erledigen.

Dennoch: Nicht jeder möchte sich mit dem Papierkram auseinandersetzen - oder er hat fachliche Fragen. Arbeitnehmer, Arbeitslose und Rentner haben die Wahl: Sie können sich Unterstützung beim Lohnsteuerhilfeverein oder beim Steuerberater holen. "Meist ist eine Beratung bei den Lohnsteuerhilfevereinen etwas günstiger", sagt Klocke. Dafür muss man Mitglied im Verein werden.

Vereinsbeitrag

Der Beitrag ist bei vielen Vereinen nach den Einnahmen gestaffelt. "Bei einem durchschnittlichen Einkommen beträgt der Jahresbeitrag meist rund 150 Euro", sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer im Bundesverband Lohnsteuerhilfe (BVL). Für Selbstständige und Freiberufler gilt das nicht: "Die Beratungsbefugnis entfällt, wenn Einkünfte aus freiberuflicher oder gewerblicher Tätigkeit vorliegen oder umsatzsteuerpflichtige Einnahmen erzielt wurden", erklärt Rauhöft.

Warentester Fischer vertritt die Ansicht: "Steuerberater sind die Ansprechpartner für Selbstständige und andere Steuerzahler mit sehr komplizierten Fällen, wie zum Beispiel in Erbschaftsfragen." Mit seinem Fachwissen kann der Steuerberater mehr leisten als Tipps zur Steueroptimierung zu geben: "Er kann steuerrechtliche Fragen beantworten, die Buchführung übernehmen, Einnahmen-Überschuss-Rechnungen sowie Bilanzen erstellen und Unternehmer in finanziellen Entscheidungen beraten", erklärt Klocke. Wer einen Steuerberater aufsucht, sollte ihm vertrauen - denn er kennt die Einkommensverhältnisse, den Familienstand und den Kontostand seiner Mandanten. Doch keiner muss Angst haben, dass er etwas Privates ausplaudert. "Steuerberater unterliegen einer Verschwiegenheitspflicht", sagt Klocke. "Außerdem dürfen sich nur Personen so nennen, die eine entsprechende Prüfung absolviert haben." Die Berufsbezeichnung ist geschützt und im Steuerberatungsgesetz (StBerG) verankert. In Deutschland gibt es mehr als 95 000 Steuerberater.

Seit Anfang 2017 finden Interessierte kostenlos Angaben zu allen in Deutschland zugelassenen Steuerberatern - in amtlichen Steuerberaterverzeichnis der Bundessteuerberaterkammer. Darüber hinaus können sie auf der Internetseite ihre Steuerberatersuche nach Kriterien wie Spezialthemen, Branchen, Fremdsprachenkenntnissen und Postleitzahl filtern. Einen ähnlichen Service bietet auch der Deutsche Steuerberaterverband an. Ähnlich wie bei anderen freien Berufen kommt es bei der Steuerberatung auch stark auf die Chemie an. Deshalb rät Klocke: "Fragen Sie am besten zuerst im persönlichen Umfeld, welche Erfahrungen beispielsweise Freunde oder Nachbarn gemacht haben."

Gebührenhöhe festgelegt

Wenn jemand den Steuerberater das erste Mal aufsucht, darf dieser eine maximale Gebühr von 190 Euro fordern. Meist stellt der Berater im Erstgespräch sehr viele Fragen. "Das ist nicht ungewöhnlich und meist ein Qualitätsmerkmal", erklärt Klocke. Schließlich muss er die Lebensumstände seines Mandanten gut kennen. Auch der Steuerzahler sollte nachhaken und nach Kosten fragen. "Gegebenenfalls kann der Mandant mit dem Steuerberater auch einen Pauschalbetrag oder eine Zeitgebühr vereinbaren", sagt Klocke. Grundsätzlich hängt die Höhe des Honorars von der Art der Leistung, dem Gegenstandswert sowie von den Vermögensverhältnissen des Mandanten ab. Die Gebührenhöhe ist in der Steuerberatergebührenverordnung (StBGebV) geregelt. Das Honorar kann je nach Aufwand innerhalb vorgegebener Spannen variieren.

Um die Kosten zu reduzieren, können Mandanten einige Vorarbeit leisten - Selbstständige können etwa ihre Buchhaltung selbst machen. Wer die Steuererklärung vom Profi erledigen lässt, darf sie später abgeben. Die Frist verschiebt sich dadurch von Ende Mai auf Ende Dezember.

Stichtag 31. Mai

Steuererklärungen für das Jahr 2016 müssen bis spätestens 31. Mai beim zuständigen Finanzamt eingereicht werden. Das geht aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums in Berlin hervor. Wer bei der Steuererklärung Hilfe von Steuerberatern oder Lohnsteuerhilfevereinen in Anspruch nimmt, muss die Erklärung bis spätestens 31. Dezember abgeben.

Der Stichtag gilt für Steuerzahler, die zur Abgabe verpflichtet sind. Das betrifft zum Beispiel Arbeitnehmer, die von mehreren Arbeitgebern Lohn bezogen haben. Auch Ehepartner und eingetragene Lebenspartner, die beide Arbeitslohn beziehen und die Steuerklassen III und V oder das Faktorverfahren gewählt haben, müssen ihre Steuererklärung abgeben. Dasselbe gilt für Arbeitnehmer, die Lohnersatzleistungen, wie Kranken- oder Elterngeld von mehr als 410 Euro bezogen haben. Wer nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, kann diese auch freiwillig abgeben. Dafür bleiben dann vier Jahre Zeit. Das heißt: Bis zum 31. Dezember 2017 ist eine freiwillige Einkommensteuererklärung für 2013 möglich.

Für den Veranlagungszeitraum 2018 haben Steuerzahler dann zwei Monate mehr Zeit: Hier gilt als spätester Abgabetermin nicht mehr der 31. Mai, sondern der 31. Juli, erklärt der Verein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH). Auch für Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine ändern sich die Termine der Erklärungen: Sie können sich Zeit lassen bis Ende Februar des jeweils übernächsten Jahres - für Steuererklärungen 2018 also bis Anfang 2020. Bisher endete die Frist für sie jeweils am 31. Dezember. (dpa)

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