14.07.2017 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Zinstief hält die Deutschen nicht vom Sparen ab Private Geldvermögen auf Rekordniveau

Das Zinstief hält die Deutschen nicht vom Sparen ab. Das Geldvermögen steigt und steigt. Doch nicht alle profitieren gleichermaßen.

Das Vermögen der Deutschen wächst trotz Minizinsen weiter. Archivbild: Bernd Wüstneck/dpa
von Agentur DPAProfil

Frankfurt. Die privaten Haushalte in Deutschland sind in der Summe so reich wie nie: Ihr Geldvermögen stieg im ersten Quartal des laufenden Jahres weiter auf den Rekordwert von rund 5676 Milliarden Euro, wie die Deutsche Bundesbank am Freitag in Frankfurt mitteilte. Die Notenbank berücksichtigt in ihrer Studie Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Ansprüche an Versicherungen - nicht jedoch Immobilien. Auch wie das Vermögen verteilt ist, geht daraus nicht hervor.

Tatsächlich sind Hundertausende Menschen in Deutschland überschuldet. Nach Berechnungen der Kreditauskunftei Crifbürgel warten derzeit 676 428 Privatleute auf ein Ende ihres Insolvenzverfahrens. Die Auskunftei wertete Zahlen zu den Privatinsolvenzen der vergangenen sechs Jahre aus. Nach Ende der sogenannten Wohlverhaltensphase können Schuldner in einem Privatinsolvenzverfahren auf Erlass ihrer Schulden hoffen. Üblicherweise dauert ein solches Verfahren sechs Jahre.

Robuster Arbeitsmarkt

Die meisten Privatpleiten gibt es nach den Erhebungen von Crifbürgel in Bremen mit 134 Fällen je 10 000 Einwohner, gefolgt von Niedersachsen und dem Saarland (je 109 Fälle). Deutlich unter dem bundesweiten Schnitt von 82 Fällen liegt Bayern (58). Spitzenreiter bei den absoluten Zahlen ist demnach Nordrhein-Westfalen mit etwa 168 000 Betroffenen.

Unterdessen erhöhte sich den Bundesbank-Daten zufolge das Geldvermögen der privaten Haushalte insgesamt im Vergleich zum Schlussquartal 2016 um 1,5 Prozent, etwa 84 Milliarden Euro. Hauptgrund dafür sind der robuste Arbeitsmarkt und steigende Reallöhne, wodurch viele Menschen Geld ansparen konnten.

Immer mehr Geld horten die Menschen als Bargeld oder parken es als Sichteinlagen bei Banken - also auf Giro- oder Tagesgeldkonten, deren Bestände man rasch umschichten kann. 17 Milliarden Euro kamen hier im ersten Quartal hinzu. Insgesamt belaufen sich die Bestände der privaten Haushalte an Bargeld und Sichteinlagen auf 1379 Milliarden Euro.

Zulauf an der Börse

Etwa 24 Milliarden Euro investierten die Bundesbürger in den ersten drei Monaten 2017 in Versicherungen und Pensionseinrichtungen, die ähnlich wie Bankeinlagen als risikoarm gelten. Hier summieren sich die Bestände der privaten Haushalte auf rund 2136 Milliarden Euro. Aber auch steigende Aktienkurse trugen dazu bei.

Weil Sparbuch und Tagesgeld kaum noch Zinsen abwerfen, trauen sich auch mehr Menschen an die Börse: Nach Verkäufen im Vorquartal wurden im ersten Quartal 2017 unter dem Strich Aktien und sonstige Anteilsrechte für fast zwei Milliarden Euro erworben.

Privatinsolvenz

Insgesamt ist die Zahl der Menschen, die auf eine Schuldenbefreiung warteten, im Vergleich zum Vorjahr bundesweit um 2,6 Prozent zurückgegangen. Überdurchschnittlich häufig warten zudem Menschen im mittleren Alter von 31 bis 40 Jahren auf die Schuldenbefreiung, (166 Fälle je 10 000 Einwohner). Auch rund 70 000 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren mussten bereits Privatinsolvenz anmelden. Hintergrund seien oft überhöhte Ausgaben für Autos, Handys oder sonstige Elektronikartikel, so die Auskunftei. Bezogen auf die gesamte Altersgruppe sei die Zahl der Betroffenen mit 59 Fällen je 10 000 Einwohner jedoch vergleichsweise niedrig. In der sogenannten Wohlverhaltensphase müssen die Schuldner bestimmte Pflichten erfüllen, um am Ende von den verbleibenden Schulden befreit zu werden. In der Regel müssen die Betroffenen ihr Einkommen oberhalb der Pfändungsgrenze abgeben. (dpa)

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