12.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Zum 1. September bekommen auch Staubsauger ein Energielabel Stromfresser oder Saubermann

Staubsauger können viel Strom verbrauchen, laut sein und trotzdem schlecht saubermachen. "Es ist nicht einfach, einen guten Staubsauger im Geschäft zu erkennen", sagt Andreas Halatsch vom Umweltbundesamt in Dessau-Rosslau. "Die Verbraucher können sich im Grunde nur an der Wattzahl orientieren, in der Annahme, dass ein starker Motor auch einen guten Staubsauger ausmacht." Doch hohe Wattzahlen bedeuten nicht automatisch bessere Reinigungsergebnisse.

Das neue EU-Label für Staubsauger ist ab dem 1. September 2014 verpflichtend. Bild: ZVEI
von Agentur DPAProfil

Die Energie muss dafür auch direkt an der Düse ankommen. Manche Hersteller machen zwar zusätzlich Angaben über die Saugleistung oder die Staubemission ihrer Produkte. Aber das war bisher nicht verpflichtend und damit nicht einheitlich. Das ändert sich.

Zum 1. September bekommen Käufer nun ein Instrument an die Hand, mit dem sich Staubsauger besser vergleichen lassen. Die erste Stufe der neuen EU-Label-Verordnung tritt dann in Kraft. "Wie Kühlschränke oder Waschmaschinen werden dann auch Staubsauger mit einem Energielabel versehen", erklärt Werner Scholz, Geschäftsführer der Hausgeräte-Fachverbände im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI).

Klassen von A bis G

Es zeigt neben der Energieeffizienzklasse von A bis G den durchschnittlichen Stromverbrauch. Dieser ist entsprechend der neuen EU-Ökodesign-Verordnung für Staubsauger begrenzt. Ab 1. September muss die maximale Nennleistungsaufnahme unter 1600 Watt liegen, ab 2017 sogar unter 900 Watt.

"Ein Staubsauger, der ab September im EU-Raum in den Handel kommt, darf bei Standardnutzung nicht mehr als 62 Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen", erklärt Annegret Agricola von der Deutschen Energie-Agentur (Dena). Diese Standardnutzung ist klar definiert: Sie umfasst jährlich 50 Reinigungsvorgänge auf einer 87 Quadratmeter großen Fläche. "Also etwa einmal pro Woche die Wohnung saugen."

Auf dieser Rechnung basieren auch die Anforderungen an das Energielabel. Demnach muss ein Staubsauger der Effizienzklasse A weniger als 28 Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen. "Das zur Zeit energieeffizienteste Gerät auf dem Markt benötigt weniger als sechs Kilowattstunden pro Jahr", sagt die Expertin.

"Neben den Angaben zur Energieeffizienz ist auf dem EU-Label die Staubaufnahme vermerkt", erläutert Werner Scholz. Auch sie umfasst die Klassen A bis G und ist getrennt für Teppiche und Hartböden angegeben. Ebenfalls von A bis G ist die Staubemission der Geräte klassifiziert. Dazu kommen Angaben über die Lautstärke in Dezibel.

Verkauf alter Bestände

Das neue EU-Label muss ab September auf jedem neu in den Handel gebrachten Gerät aufgebracht sein - nicht nur im stationären, sondern auch im Online-Handel. Aber die alten Staubsauger sind damit noch nicht vom Markt verschwunden. Der Handel kann seine Bestände, ähnlich wie bei den Glühlampen, ohne Zeitbegrenzung weiter verkaufen.

Etwa alle neun Jahre kaufen die Deutschen Scholz zufolge einen neuen Staubsauger. Dass nun viele ihre alten Geräte auswechseln werden, ist kaum zu erwarten. Denn: "Der Einsparungseffekt ist eher gering", sagt Scholz. Bei einem 2400-Watt-Gerät, das durchschnittlich eine Stunde pro Woche genutzt wird, belaufen sich die Stromkosten auf etwa 40 Euro pro Jahr. Dagegen kommt ein Energiespargerät mit 1500 Watt auf 27 Euro Stromkosten im Jahr. "Bei Großgeräten wie Waschmaschinen und Kühlschränken zahlt sich eine hohe Energieeffizienzklasse schneller aus."

Der Nutzwert des Labels liegt eher in der Information über Eigenschaften, die ein gutes Gerät auszeichnen - wie die Staubaufnahme oder dessen Lärm. Aber: In der Masse sollen das EU-Label und die Ökodesign-Verordnung einen beträchtlichen Einsparungseffekt von rund 2,8 Terawattstunden in ganz Europa bringen - das sind 2,8 Milliarden Kilowattstunden. "Ohne vorher die Relevanz zu prüfen, wird so ein EU-Label nicht vergeben", sagt Agricola.

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