12.06.2021 - 02:51 Uhr
Deutschland & Welt

Aiwanger als Parteichef wiedergewählt: Jetzt lockt Berlin

In der Partei ist er unangefochten. Hubert Aiwanger will aber über Bayern hinaus wachsen. In Berlin will der Chef der Freien Wähler der „durchgeknallten Bundesregierung“ und „ideologischen Verirrungen“ etwas entgegensetzen.

Hubert Aiwanger (Freie Wähler) spricht bei einer Veranstaltung. Foto: Matthias Balk/dpa/Archivbild
von Agentur DPAProfil

Nürnberg (dpa/lby) - Hubert Aiwanger ist als Chef der Freien Wähler wiedergewählt worden und hofft nun bei der Bundestagswahl auf eine Einzug der Partei in den Bundestag. Der bayerische Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister bekam bei der Landesversammlung im Nürnberger Fußballstadion am Samstag 95 Prozent der 174 abgegebenen Stimmen. Der 50-Jährige hatte keinen Gegenkandidaten. Die Unterstützung seiner Partei gibt Aiwanger Rückenwind für seinen Kurs auf Berlin.

„Wir müssen nach der Regierungsbeteiligung in Bayern auch in Berlin mitmischen. Deutschland braucht uns, wir kommen nach Berlin“, sagte er in Nürnberg. Die „durchgeknallte Bundesregierung“ entferne sich immer mehr von der Mitte der Gesellschaft und sei geprägt von „ideologischen Verirrungen“. Ein Beispiel sei die Corona-Politik mit der Bundesnotbremse. Die Freien Wähler würden nicht akzeptieren, dass den Rathäusern „das Dach abgedeckt“ würde, von denen, „die noch kein Rathaus von innen gesehen haben“.

Seine Partei würde Politik für alle machen - „vom armen Schlucker bis zum Großunternehmer“. Die Freien Wähler, die mit der CSU in Bayern regieren, kommen in bundesweiten Umfragen allerdings derzeit nur auf rund drei Prozent. Aiwanger sieht dennoch eine „Fifty-Fifty“-Chance, die Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl im September zu knacken.

In der Corona-Politik warnte er vor erneuten Schließungen. Man müsse jetzt schon für den Herbst vorsorgen. „So wie es jeder gute Landwirt macht, der im Sommer das Heu macht, dass er im Winter die Tiere füttern kann.“ Man könne nicht immer erst reagieren, „wenn's gescheppert hat“. Zudem setzte er sich für eine Aufhebung der Maskenpflicht in Schulen ein, wenn die Zahlen niedrig bleiben. Man könne den Kindern in der Sommerhitze nicht zumuten, „dass das Wasser da unten raus tropft“.

Aiwanger ist seit 2006 Chef des Landesverbandes, seit 2008 ist er Mitglied des Landtags und seit 2010 auch Bundesvorsitzender der Freien Wähler. Unter seiner Führung gelang es den Freien Wählern, nach der Wahl 2018 erstmals in die Regierung einzuziehen. Seither stellen sie drei Minister in der Koalition mit der CSU.

Der Niederbayer mit dem starkem Dialekt gilt als ein Politiker, der ein gutes Gefühl für die Stimmung bei seiner Wählerklientel hat. Aiwanger gibt sich gerne bodenständig und verweist auf seine Wurzeln in der Landwirtschaft und sein Hobby, die Jagd. Rhetorisch ist der zweifache Vater, der auf einem Bauernhof bei Rottenburg an der Laaber lebt, eine Ausnahmeerscheinung.

Auch lange Reden hält er am liebsten ohne jedes Manuskript, was ihm aber immer wieder wegen kurioser Formulierungen auch Spott und Häme einbringt. Aiwangers Selbstbewusstsein hat das nie geschadet, und spätestens in der Corona-Krise hat er bewiesen, dass er mit seiner Hartnäckigkeit auch CSU-Ministerpräsident Markus Söder zu Kurskorrekturen drängen kann. Dabei scheute er auch offene Provokationen nicht, wenngleich er wiederholt eigene Forderungen nicht durchsetzen konnte.

© dpa-infocom, dpa:210611-99-956452/5

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