Mehr Gewalt gegen Oberpfälzer Polizei

Auch in der vermeintlich beschaulichen Oberpfalz häufen sich die Fälle von Gewalt gegen Polizisten. Die Hemmschwelle sinkt, beklagen Polizei-Vertreter.

Christian Kiener, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft Oberpfalz
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

(gib) Polizisten sollen die Bevölkerung vor Gewalt und Kriminalität schützen. Doch immer häufiger werden sie selbst attackiert. In der Oberpfalz ist die Zahl der Angriffe deutlich angestiegen. Auf Anfrage unserer Zeitung nannte das Polizeipräsidium Oberpfalz jetzt Details zu Taten und Tätern.

607 Attacken verzeichnete das Präsidium im vergangenen Jahr. 2016 waren es 529 Fälle, 2015 noch 490. Im Schnitt zwölf Mal pro Woche gab es damit Fälle, in denen Beamte beleidigt, bedroht, geschlagen oder gestoßen werden. 359 Mal waren die Angriffe körperlich, 248 Mal verbal. Besonders oft waren die Polizisten Schlägen (129 Mal) und Tritten (116) ausgesetzt. Es folgen die Delikte Beißen (29), Kopfstoß (17), mit Gegenstand schlagen (16), Hinunterstoßen (4), An- oder Überfahren (4), Würgen/Drosseln (2), Stechen (2) und Schießen (1).

Meist öffentlich

In den meisten Fällen fanden die Übergriffe auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen statt (277 Mal), in privaten Wohnhäusern (119), auf der Polizeidienststelle oder im Polizeiauto (100). Immerhin elf Mal wurden die Beamten in Sportstätten attackiert. Schwerpunkte waren städtische Gebiete. In ländlichen Regionen gibt es dem Präsidium zufolge deutlich weniger Gewalt gegen Polizisten. Eine große Rolle spielt der Alkohol: 57 Prozent der Tatverdächtigen hatten zu viel getrunken, als sie die Beamten angriffen.

"Die Hemmschwelle, Polizeibeamte im Dienst zu attackieren, sinkt immer weiter" beklagt Christian Kiener, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft Oberpfalz. "Es vergeht nahezu kein Wochenende mehr, an dem nicht Kollegen im Dienst verletzt werden." Oftmals seien es ganz normale Einsätze wie Ruhestörung oder Streitigkeiten, die eskalieren. "Angestaute Aggressionen richten sich plötzlich gegen die Polizei, die eigentlich zu Hilfe gerufen wurde." Als besonders bedenklich stuft Christian Kiener die Zunahme von Körperverletzungsdelikten gegen Polizeibeamte ein. "Mit Steigerungen von fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr haben wir hier eine neue Dimension von Gewalt gegen Polizeibeamte erreicht."

Tritte gegen den Kopf

Wie ungezügelt und plötzlich Gewalt gegen Polizisten eskalieren kann, zeigt ein Vorfall im Januar dieses Jahres im Regensburger Einkaufszentrum Arcaden: An einem Samstagabend störte eine etwa 15-köpfige vorbeiziehende Gruppe Personenkontrollen der Polizei. Die Beamten entschieden sich daraufhin, auch die Störer zu kontrollieren - womit diese sich jedoch nicht einverstanden zeigten. Es entwickelte sich ein Handgemenge, bei dem ein 26-jähriger Polizist zu Boden gebracht wurde. Ein 17-jähriger Afghane trat ihm mehrfach gegen den Kopf. Ein weiterer, gleichaltriger Afghane trat ihm gegen den Körper. Der Verletzte landete mit einer Gehirnerschütterung, einer Schädelprellung und einer Platzwunde im Krankenhaus. Der Haupttäter kam in Untersuchungshaft. Ihm wurde ein versuchtes Tötungsdelikt vorgeworfen.

Repräsentativ ist dieses Beispiel nicht, denn in der überwiegenden Zahl waren die Täter nach den Angaben des Oberpfälzer Polizeipräsidiums männlich, erwachsen und deutsch. 384 deutsche Tatverdächtige gab es, 112 nicht-deutsche. 62 Heranwachsende, 31 Jugendliche und sogar ein Kind gehörten zu den Angreifern. Der Rest war erwachsen. Nur 58 der 496 Tatverdächtigen waren Frauen. Um die Beamten besser vor Angriffen zu schützen, setzt die Oberpfälzer Polizei auf verbesserte Ausrüstungsgegenstände und den Einsatz von Bodycams. Außerdem werde das Thema Gewalt gegen Polizisten in der Aus- und Fortbildung berücksichtigt.

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