09.03.2020 - 18:20 Uhr
BärnauDeutschland & Welt

Mein Soundtrack: Zwischen Metal und Heimatsound

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Susanne Forster beschreibt, wie ihr Musikgeschmack über die Jahre zwischen Metal und Heimatsound mäanderte. Hubert von Goisern, Rammstein, AC/DC- ihre Vorlieben lassen sich immer noch an den Bandshirts in ihrem Kleiderschrank ablesen.

In meinem Kleiderschrank erinnern mich zwei Kleidungsstücke an eine tolle Schulzeit und ein unvergessliches Rockkonzert.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Hubert von Goiserns „Hiatamadl“ ist mein erstes Lieblingslied. Als fünfjähriges Mädchen fand ich österreichische Volkslieder anscheinend ziemlich cool. Als meine Cousine ihr eigenes Auto und mich oft als Beifahrerin hat, folgt Soundtrack Nummer zwei. „Get down. Get down. And move it all around.“ Englisch konnte ich damals noch nicht. Ich singe fröhlich „The Zaun“ statt "get down". Ein Fan der Backstreet Boys war ich übrigens nie.

In meiner Jugend quittiere ich den Boy-Bands meine Aufmerksamkeit. „Exit light, enter night. Take my hand, we're off to never never land.“ „Enter Sandman“ eröffnet mir eine neue Musik-Sphäre. Mein MP-3-Player spielt das „Black Album“ von Metallica rauf und runter. Meine Kopfhörer und ich sind eine Einheit. Selbst zum Einschlafen brauche ich Gitarren-Riffs. Sämtliche Songs der Metal-Band kann ich nach kürzester Zeit auswendig mitsingen.

Die Tokio-Hotel-Poster, die in meinem Jugendzimmer alle Wände bedecken, müssen weichen. Ich stehe jetzt nicht mehr auf geschminkte, sondern auf maskierte Männer. Ein Slipknot-Banner hängt über meinem Bett und ein riesiges „Metallica“-Plakat klebt an meiner Türe. Auf meinem Lieblingspulli ist eine lodernde Flamme aufgedruckt. Zwischen die roten Feuerzungen schmiegt sich das Logo der Band Rammstein. „Die Kreatur muss sterben“, singe ich im Klassenzimmer. Meine Schulkameraden lachen. Diese Zeile aus dem Rammstein-Song „Waidmanns Heil“ hat es sogar auf meine Seite in der Realschul-Abschlusszeitung geschafft.

Angus Young auf Leinwand, damit auch alle 70000 Konzertbesucher etwas sehen können. Ich habe den Musiker direkt vor meiner Nase, denn ich stehe in der ersten Reihe.

Ich bin schließlich in der zehnten Klasse, es ist Juni und die Abschlussprüfungen stehen an. Und mein erstes großes Rock-Konzert. Stunden vor Beginn komme ich am Open-Air-Gelände an. Ich renne los, vorbei an den Merchandise-Ständen und Bier-Buden. Dann habe ich es geschafft. Ich stehe direkt vor der Bühne, lasse mich zufrieden auf den Boden sinken. Einen halben Tag verbringe ich wartend zwischen bärtigen Rockern. Plötzlich türmt sich eine überdimensional große, halbnackte Plastikpuppe auf der Bühne auf. Ein Countdown startet. Und bei mir: Gänsehaut.

Dieser Soundtrack als Playlist

Ein Mann in Schuluniform tritt vor die Menschenmassen: Es ist Gitarist Angus Young. Er stimmt den ersten Ton auf seiner Gitarre an. Dann bin ich im Musik-Rausch. AC/DC bringt auf dem Ostragehege in Dresden die Stimmung vohn über 70000 Menschen zum Kochen – und ich bin mittendrin. Ziemlich cool fühlte ich mich schon als sechzehnjähriges Mädchen zwischen all den langhaarigen, headbangenden Männern. "You're a whole lotta woman. A whole lotta woman. Whole lotta Rosie." Die Puppe „Rosie“ wippt wild über die Bühne. „For those about to rock, we salute you.“ Kanonen feuern Schüsse ab. Das Konzert ist zu Ende. Mein Herz hüpft und meine Ohren sausen – noch bis zum nächsten Tag.

Zehn Jahre später habe ich einen Stapel an Band-Tour-Shirts in meinem Kleiderschrank und meinen MP-3-Player schon längst gegen einen Streaming-Dienstleister getauscht. Der spielt „Pam Pam Ida“ in Dauerschleife. Nun also wieder Heimatsound. Frontmann Andreas Eckert singt: „Die Rechnung geht ned auf. Wias bassiert, so konnst nix ändern. So wias nausgeht, so gehts naus.“ Stimmt, denke ich mir. Mein Metallica-Poster darf trotzdem noch in meinem Zimmer hängen bleiben.

Die Puppe nimmt beim AC/DC-Konzert die Bühne beim Song "Whole Lotta Rosie" ein.
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