28.07.2021 - 13:18 Uhr
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Sparkassen können sich vor Geld nicht retten

Es klingt paradox: Das Geld ist den Sparkassen eine Last geworden. Ursache ist die Nullzinspolitik der EZB.

Bayerns Sparkassen leiden unter zu viel Geld - und immer mehr Kunden deswegen unter Strafzinsen.
von Agentur DPAProfil

Bayerns Sparkassen leiden unter zu viel Geld - und immer mehr Kunden deswegen unter Strafzinsen. Im ersten Halbjahr sind die Einlagen um 4,1 Milliarden auf insgesamt 191 Milliarden Euro angewachsen. Der bayerische Sparkassenpräsident Ulrich Reuter bezifferte den „Einlageüberhang“ der 64 kommunalen Geldinstitute am Mittwoch in München auf 36 Milliarden.

Das sind Gelder, die die Sparkassen nicht als Kredite wieder an die Kundschaft ausgereicht haben. Da Banken für Einlagen bei anderen Banken Negativzinsen zahlen, werden diese nun in immer größerem Ausmaß auch an Privatkunden weitergereicht. Viele Sparkassen haben auch die Gebühren erhöht, weil die Profitabilität wegen der Nullzinspolitik der EZB stetig sinkt.

„Unsere Kraft ist hier endlich“, sagte Reuter. Alle bayerischen Sparkassen hätten für Firmenkunden flächendeckend Verwahrentgelte eingeführt, die meisten auch im Privatkundenbereich. „Da nützen auch Appelle oder Drohungen der Politik nichts, das verbieten zu wollen“, sagte Reuter. „Wir geben den Marktkräften nach.“

Die Sparkassen setzen sich gegen Vorwürfe aus der Politik zur Wehr. „Da wird ja auch mit gespaltener Zunge gesprochen“, sagte Reuter. „Einerseits freuen sich die Finanzpolitiker über historisch günstige Möglichkeiten sich zu verschulden, und andererseits meint man, sich mit populären und populistischen Botschaften vor den Bürger stellen zu müssen.“

Konsumstau lässt Bankeinlagen anschwellen

In Italien und Spanien seien die Kundinnen und Kunden die dreifache Gebührenhöhe gewohnt, in Frankreich das Doppelte. „Wir sind hier mit gutem Gewissen unterwegs.“ Die Marktmacht der regionalen Banken verhindere, „dass die Privatbanken die Gebühren einführen können, die in ausländischen Märkten sehr hoch sind“.

Die Corona-Krise hatte bereits 2020 zu einem Konsumstau in Deutschland geführt und die Einlagen der Banken stark anschwellen lassen, im ersten Halbjahr hat sich das fortgesetzt. „Das ist unsere große Hoffnung, dass in der Urlaubsphase mehr ausgegeben wird“, sagte Vizepräsident Roland Schmautz.

Auch das Kreditgeschäft wächst trotz Corona-Krise nach wie vor, Ende Juni hatten die Sparkassen insgesamt 154,7 Milliarden Euro verliehen, 4,2 Milliarden Euro mehr als zu Jahresbeginn. Auffällig: Die Kredite an Privatkunden schossen um 18 Prozent in die Höhe, diejenigen an Firmenkunden gingen um 10 Prozent zurück.

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Amberg

© dpa-infocom, dpa:210728-99-578404/2

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