Update 10.08.2018 - 20:09 Uhr
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Pflegedienst Senivita zieht Notbremse

Damit einer der größten privaten Pflegedienstanbieter in Süddeutschland, Senivita, nicht zum Pflegefall wird, steigen die Gesellschafter wieder selber operativ ein. Die Verzögerung des Jahresabschlusses bereitet Anlegern Sorgen.

Ein Pfleger hält in einem Heim die Hand einer Bewohnerin.
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Senivita unterhält mit fast 1300 Mitarbeitern zahlreiche Pflegeeinrichtungen mit annähernd 1000 Bewohnern - darunter in Schwarzenfeld und ab 1. Oktober in Kemnath. Gesellschafter sind Dr. Horst Wiesent (ein gebürtiger Eschenbacher), Anton Kummert (Wernberg-Köblitz/Weiden) und Manfred Vetterl aus Pegnitz. Sie hoben vor rund 20 Jahren unter dem Gedanken "Dem Leben nicht nur Jahre, sondern den Jahren Leben schenken" ein neuartiges Pflegekonzept aus der Taufe: Die "Pflege 5.0" soll Senioren möglichst lange die Selbstständigkeit erhalten. In ihren Einrichtungen bietet Senivita den Bewohnern in den eigenen Wohnungen den Service der Tagespflege, zu der - nach Bedarf - ambulante Dienste zugekauft werden können. Soweit die Theorie.

Nicht überraschend kam es im Frühjahr zum großen Stühlerücken im Management. Die beiden Vorstände mussten Knall auf Fall ihren Hut nehmen. "Die fristlose Entlassung spricht für sich", erklärt Horst Wiesent. Dem Vernehmen nach gelang es den Managern nicht, die Idee "Pflege 5.0" auf die Straße zu bringen. Mit dem zum Vorstand bestellten Manfred Vetterl nimmt nun Wiesent als Vorstandschef selber das Geschäft in die Hand. Den Vorsitz im Aufsichtsrat übt jetzt Steuerexperte Anton Kummert aus. Damit ergreifen die Gesellschafter wieder das Ruder. "Senivita ist unser Lebenswerk. Wir sehen uns nicht als Konzern, sondern als Mittelständler. Ich bin überzeugt, dass es jetzt wieder rund läuft", betont Kummert.

"Bald positive Nachricht"

Nachdem die Expansion Geld kostet, bedient sich Senivita seit langen Jahren am Kapitalmarkt. Aufsichtsratschef Kummert beziffert die bisherigen Investitionen auf mehr als 100 Millionen Euro. Die erste, mit 6,5 verzinste Anleihe über 15 Millionen Euro, zahlte Senivita 2016 zurück. Im Mai erhielten die Zeichner der Wandelanleihe in Höhe von 40 Millionen Euro pünktlich ihre Zinsen über fast 3 Millionen Euro.

Für Genussrechte und -scheine steht die Zinszahlung noch aus, weil sich der Jahresabschluss der Senivita Sozial (SVS) verzögert. Wie aus einer Ad-Hoc-Mitteilung weiter hervorgeht, sei bei der 100-prozentigen Tochter Senivita Social Care (SSC) die Bewertung von Beteiligungen und Finanzanlagen noch offen. Vorstandschef Wiesent kündigt bis Ende August eine Klärung an: "Es kommt bald eine positive Nachricht." Nach Informationen von Oberpfalz-Medien stecken Wiesent, Kummert und Vetterl selber mit ihren privaten Finanzmitteln siebenstellig in den Genussscheinen und -rechten. Kummert ist zuversichtlich, dass der Kurs der auf knapp 70 Prozent abgestürzten Papiere bald wieder steigt.

Angesichts des Personalmangels in der Pflege will Senivita in einigen Jahren bis zu 100 Fachkräfte aus China ausbilden. "Sie sind hoch motiviert, packen an und haben manche Wesenszüge der Deutschen", unterstreicht Wiesent den neuen Weg.

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