11.06.2021 - 14:56 Uhr
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Bundestagswahl: CSU stellt paritätisch mit Männern und Frauen besetzte Kandidatenliste auf

Die Aufstellung der CSU-Liste für die Bundestagswahl gleicht schon immer der Quadratur des Kreises. Heuer wird es noch komplizierter. Schlechte Umfragewerte und die Geschlechterparität sorgen für Gedränge auf den aussichtsreichen Plätzen.

Blick in den Plenarsaal des Bundestags in Berlin.
von Jürgen UmlauftProfil

Die CSU wird zur Bundestagswahl im September erstmals eine paritätisch mit Männern und Frauen besetzte Kandidatenliste vorlegen. So sehen es jedenfalls die Pläne der Parteispitze vor. Generalsekretär Markus Blume spricht von einem "Novum" in der Parteigeschichte. Spitzenkandidat wird voraussichtlich der Chef der Berliner CSU-Landesgruppe Alexander Dobrindt, auf Platz 2 könnte die Digitalisierungsbeauftragte der Bundesregierung, Dorothee Bär, folgen. Am kommenden Freitag sollen Einzelheiten bei einem Treffen der Parteiführung mit den Chefs der CSU-Bezirke und der wichtigsten Arbeitsgemeinschaften geklärt werden, die Aufstellungsversammlung ist für den 26. Juni in Nürnberg im Frankenstadion geplant.

Aus Kreisen der Parteiführung ist zu hören, dass der Vorstand den Delegierten in Nürnberg einen Vorschlag für die Listenplätze 1 bis 20 vorlegen will, ab Platz 21 sei das Rennen dann offen - mit der Einschränkung, dass auf einen Mann jeweils eine Frau folgen soll, solange es dafür Kandidatinnen gibt. Die Begeisterung über das Verfahren ist in der Partei nicht ungeteilt, denn alles was nach Frauenquote aussieht, wird von vielen Mitgliedern skeptisch beurteilt. Der Versuch von Parteichef Markus Söder, eine Quote für alle Parteigliederungen bis hinunter zum Kreisverband zu installieren, scheiterte auf dem Parteitag 2019 krachend. Insofern ist Blume schon erfreut, dass es gelungen ist, für die Bundestagwahl frei werdende Direktmandate mit weiblichen Kandidaten zu besetzen, zwei davon allein in der Oberpfalz.

Listenaufstellungen bei der CSU sind seit jeher eine Art Quadratur des Kreises. Der Regionalproporz will berücksichtigt sein, damit alle Regionen Bayerns mindestens einen CSU-Vertreter im Bundestag haben. Daneben braucht es eine Mischung aus bewährten und jungen Kräften, auch sollen die Arbeitsgemeinschaften und Fachgruppen repräsentiert sein. Die geschlechtergerechte Besetzung der Liste macht das noch komplizierter. Erschwerend kommt in diesem Jahr noch dazu, dass die Umfragen für die CSU ganz weit weg von jenen fast 60 Prozent sind, die Edmund Stoiber einst 2002 als Kanzlerkandidat eingefahren hatte.

Vor diesem Hintergrund geht gerade bei Münchner CSU-Abgeordneten die Angst um, ihr Direktmandat an die Grünen zu verlieren. Bei der Landtagswahl 2018 ist das schon passiert, ein Opfer war Ex-Minister Ludwig Spaenle. Die Münchener drängen deshalb auf bestmögliche Absicherung auf der Landesliste. 2017 holte die CSU bei der Bundestagswahl in Bayern 38,8 Prozent, 46 Abgeordnete schafften damit den Sprung nach Berlin. Heuer entspräche das genau der Zahl der zu vergebenden Direktmandate in Bayern. Für hintere Listenplätze könnte es schon allein deshalb eng werden.

Zu denen, die aussichtsreiche Plätze für sich reklamieren, gehört die Junge Union. Deren Chef Christian Doleschal, bei dem das paritätische Reißverschlussverfahren nicht gerade Jubelstürme auslöst, erinnert die Parteispitze daran, dass Söder mit dem Anspruch angetreten sei, die CSU weiblicher und jünger zu machen. Doleschals Betonung liegt dabei auf dem Wörtchen "und". Spätestens ab Platz 23 müssten auf der Liste Kandidaten im JU-Alter auftauchen, fordert er. Knapp 20 Jahre nach dem Stoiber-Boom, der vielen heute inzwischen etablierten Abgeordneten den Weg in den Bundestag geebnet habe, müsse eine personelle Erneuerung in der Landesgruppe eingeleitet werden. Bei den Frauen sieht Doleschal schon Fortschritte, bei den Jungen eher nicht. Es sieht aus, als stünden der CSU turbulente Tage bevor.

Oberpfälzer Kandidaten für die Bundestagswahl

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