Der Himmel ist eine Hose

Ausgehend von seiner Exil-Heimat Nürnberg wird Coyne nun als bildender Künstler posthum gewürdigt. Momentan geschieht dies anhand der Ausstellung "Heaven Trousers" in der Städtischen Galerie in Cham.

Gute Laune vor bunten Bildern: Kurator Stefan Voit, Helmi Coyne und Museumsleiterin Anjalie Chaubal (von links) bei der Eröffnung der Kevin-Coyne-Ausstellung im Cordonhaus in Cham.

Cham.Bekannt ist er vor allem als Musiker: Kevin Coyne schaffte zwar nie den Durchbruch zur absoluten Popularität. In Insiderkreisen jedoch wird sein Groove seit Jahrzehnten als Geheimtipp gehandelt. Coyne tourte durch Europa und Amerika. Er wurde seinerzeit gefragt, ob er den verstorbenen Jim Morrison bei den "Doors" ersetzen wolle, für Haindling gab er den Anstoß zur Musikerkarriere und zur Namensgebung.

Kein Wunder also, dass Kevin Coyne gar keine oder wenig Zeit hatte, auch noch seine Zeichnungen und Gemälde der Öffentlichkeit zu präsentieren. Nur so kann es sich Anjalie Chaubal erklären, dass das malerische Werk des Musikers bislang kaum gewürdigt wurde. Umso erfreuter zeigt sich die Leiterin der Städtischen Galerie Cordonhaus in Cham nun bei der Eröffnung einer Coyne-Schau im eigenen Haus.

Über 100 Arbeiten

"Das ist eine außergewöhnliche Ausstellung", bemerkt Chaubal angesichts der zwei Räume füllenden Arbeiten. Es handelt sich um über 100 Zeichnungen und Gemälde. Die Schöpfungen des vermeintlichen Vollblutmusikers spielten für Coyne eine nicht minder große Rolle als die akustischen Klänge. Und das in zweierlei Hinsicht. Denn, was kaum einer weiß: Kevin Coyne war akademisch ausgebildeter Künstler. Basierend auf an einem an zwei englischen Kunstschulen erworbenen Handwerkszeug kreierte er einen unverwechselbaren Stil in Malerei und Zeichnung.

Zu diesem zählen skurrile Gestalten und groteske Mischwesen, die Coyne in einer Mischung aus Humor und Tragik auf den Bildträger bringt. Auch diese Figuren sind aufs direkte Umfeld Kevin Coynes zurückzuführen: Als Sozialarbeiter kam der Künstler und Musiker im Rahmen seines dritten Berufszweiges mit denen in Verbindung, die die Gesellschaft eigentlich nicht sehen will.

Die Drogenabhängigen und psychisch Kranken, die Kevin Coyne in London betreute und oftmals in Leichenschauhäusern identifizieren musste, haben sich in seinem bildnerischen Werk ebenso niedergeschlagen wie in seinem musikalischen. Bilder in Cham zeigen skelettartige Schädel und Fische mit Kippe im Maul. Es geht um Exzesse, Lust und Völlerei und um Anstößigkeit, dargestellt in einer irritierenden Buntheit.

"Kevin Coyne interessierte sich für die Underdogs, die Ausgestoßenen, die von der Gesellschaft nicht angenommenen, die hässlichen, die fetten Menschen, mit denen keiner was zu tun haben wollte", fasst es Stefan Voit zusammen. Der Coyne-Fan und Kulturredakteur bei Oberpfalzmedien/Der neue Tag verwaltet seit 2012 den Nachlass des Künstlers - Coyne verstarb 2004 in seiner Exil-Heimat Nürnberg.

Die Bilder, die, betont Voit, "unendlich aus Coyne herausflossen", sind dabei noch ganz am Anfang ihrer Erschließung. "Es ist ein Schatz, der in Nürnberg lagert", so viel lies Nachlassverwalter bei der Eröffnung wissen. "Und ich bemühe mich seit Jahren, die Arbeiten zu sortieren und irgendwann einmal ein Werkverzeichnis anlegen zu können."



Wild und expressiv

Dem unermüdlichen Einsatz des Kurators ist es zu verdanken, dass der Künstler Coyne zumindest in der Region nicht mehr unbekannt ist. Bereits in Vilseck, Waldsassen, Weiden und Amberg waren seine Arbeiten in Ausstellungen zu sehen, 2019 folgen Österreich und Frankreich..

Neu in Cham sind die Acrylbilder, die noch nie vorher gezeigt wurden. Diese wilden, expressiven Arbeiten Kevin Coynes bilden im Cordonhaus einen Kontrast zu den fein ausgeführten Zeichnungen. Geschriebene Worte erleichtern hier wie dort den Zugang zu den oftmals comichaft daherkommenden Darstellungen.

Titelgebend für die Schau ist das gleichnamige Werk "Heaven Trousers". Zu sehen ist darauf eine geflügelte Latzhose. Hosen ja, aber dann schon die richtigen, lautete offenbar das Credo des Künstlers, der die ledernen Beinkleider der "Doors" ja abgelehnt hatte. Als Musiker gelangte Coyne auch ohne die Kultband zu Ruhm. Stefan Voit arbeitet nun an dem Bekanntheitsgrad Kevin Coynes als Künstler.

Info:

Die Ausstellung „Kevin Coyne. Heaven Trousers. Malerei und Zeichnung“ läuft bis zum 5. August in der Städtischen Galerie Cordonhaus (Propsteistraße 46) in Cham. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag und feiertags von 14 bis 17 Uhr sowie Donnerstag von 14 bis 19 Uhr. Am Sonntag, 24. Juni (16 und 18 Uhr), findet eine Führung durch die Ausstellung mit Lesung statt. Am Sonntag, 29. Juli (17 Uhr), gibt es eine Präsentation des Katalogs. Weitere Infos unter Telefon 09971 8579-420 oder unter www.cordonhaus-cham.de.

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