19.04.2021 - 01:09 Uhr
Deutschland & Welt

Demenzkranker soll Frauen missbraucht haben: Prozessstart

Paragrafen-Symbole sind an Türgriffen am Eingang zum Landgericht angebracht. Foto: Oliver Berg/dpa/Symbolbild
von Agentur DPAProfil

München (dpa) - Am Landgericht München II hat am Montag der Prozess gegen einen demenzkranken Mann begonnen, der in einem Spezialpflegeheim bei München mehrere Frauen missbraucht haben soll. Seine mutmaßlichen Opfer waren ebenfalls erkrankt und Bewohnerinnen des auf Demenzerkrankungen spezialisierten Pflegeheims. Über Monate soll der Mann sich immer wieder an ihnen vergangen haben, eine der Frauen soll er viermal vergewaltigt haben.

Der Mann ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht schuldfähig und derzeit in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Weil das Gericht ihn auch nicht für verhandlungsfähig hält, erschien er selbst nicht zu seinem Prozess, mit dem die Staatsanwaltschaft auf die dauerhafte Unterbringung des wohl nicht schuldfähigen Rentners in der Sicherungsverwahrung abzielt. Die Anklagebehörde geht davon aus, „dass von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist“.

Für Patientenschützer ist die entscheidende Frage, wie es dazu kommen konnte, dass der heute 78-Jährige sich über den Zeitraum von rund einem halben Jahr in 27 Fällen an wehrlosen Mitbewohnerinnen vergangen haben soll. „Das ist nicht hinnehmbar“, sagte Eugen Brysch, der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. „Sexualität in Pflegeeinrichtungen ist noch immer ein Tabu-Thema. Übergriffe unter Pflegeheimbewohnern kommen häufiger vor als gedacht und geschehen selten unbemerkt.“

© dpa-infocom, dpa:210418-99-254304/3

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