17.06.2021 - 13:00 Uhr
Deutschland & Welt

Demenzkranker verhungert: Ehefrau und Sohn vor Gericht

Ein Frau (r) und ihr Sohn sitzen im Amtsgericht in der Anklagebank. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
von Agentur DPAProfil

Würzburg (dpa) - Vermutlich wegen Überforderung sollen eine Frau und ihr Sohn es zugelassen haben, dass der demenzkranke, 51 Jahre alte Vater verhungert ist. Die Frau soll dem Gutachten eines Sachverständigen zufolge unter Überforderung, psychischer Belastung und Antriebslosigkeit gelitten haben, sagte Rechtsanwalt Stephan Wegner am Donnerstag vor dem Amtsgericht Würzburg. Für die Vernehmung der Angeklagten wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Familienangehörigen fahrlässige Tötung vor. Bei einer Obduktion war festgestellt worden, dass der Mann auf 34 Kilogramm abgemagert war - bei einer Größe von 1,78 Metern. Mit einem Arztbesuch hätte dies verhindert werden können, so der Vorwurf gegen die 52-Jährige und den 24-Jährigen. Er hätte dringend medizinische Hilfe benötigt.

Die Familie aus dem Landkreis Würzburg lebte unter einem Dach. Der Ehemann und Vater hatte mindestens vier Jahre vor seinem Tod im August 2017 an Alzheimer-Demenz gelitten. Seine Ehefrau pflegte ihn und war mit Vollmachten ausgestatten. Auch der Sohn habe sich um den Vater gekümmert und hatte eine Gesundheitsvollmacht.

Spätestens seit Sommer 2017 hätte sich der Zustand des Mannes verschlechtert. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er kaum mehr Nahrung aufnehmen konnte.

© dpa-infocom, dpa:210617-99-31983/2

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