Börsenexperte Robert Beer zur Gamestop-Posse: Den Letzten beißen die Hunde

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Kleine Anleger zeigen es den großen Hedgefonds. Unter dieser Schlagzeile machte zuletzt die Geschichte um das Unernhmen "Gamestop" die Runde. Weshalb letztlich doch die Kleinen draufzahlen werden, erklärt Börsenexperte Robert Beer.

Das Spiel ist (fast) aus. Die Posse um Gamestop scheint inzwischen beendet.
von Redaktion ONETZProfil

Von Robert Beer

Es klingt wie aus einen Hollywood-Film: Die "guten" Kleinanleger zwingen die "bösen" Hedgefonds und Leerverkäufer in die Knie. Klein gegen Groß. Main Street gegen Wall Street. Robinhood gegen das Establishment. Klar, auf welcher Seite man da steht. Wenn es nicht um sehr viel Geld ginge und die Börse wieder einmal zum Kasino degradiert worden wäre, könnte man sich herrlich amüsieren.

Zum Hintergrund: "Gamestop" ist ein US-Einzelhändler für Videospiele und Unterhaltungselektronik. Also in einem Bereich, der - unabhängig von Covid - durch zunehmenden Online-Handel unter Druck steht. Es ist hier kaum Geld zu verdienen, immer mehr User laden Spiele direkt vom Anbieter. Das Unternehmen macht immer weniger Umsatz. Hohe Verluste und Schulden runden das Bild ab. Die Aktie eines Unternehmens, die man nicht wirklich haben muss. Nicht umsonst ist der Kurs von 40 Dollar 2015 auf 4 Dollar 2019 gefallen.

Die besorgniserregende Entwicklung versuchen sogenannte Leerverkäufer auszunutzen. Sie leihen sich - für eine gewisse Zeit und gegen eine Gebühr - Aktien und verkaufen diese, in der Erwartung fallender Kurse. Kaufen sie später die Aktien günstiger zurück (Sie "decken sich ein"), erzielen Sie einen Gewinn. Steigt die Aktie jedoch, verlieren sie Geld. Im Falle von Gamestop waren zu Jahresbeginn viele Aktien leerverkauft. Etliche Fonds setzten auf weiteren Wertverfall.

Angriff auf Hedge Fonds

Wie viele Aktien eines Unternehmens leerverkauft sind, muss jedoch regelmäßig veröffentlich werden. Man weiß also, wie viele Aktien eines Unternehmens "geshortet" werden, wie es in Börsensprache heißt. In Deutschland war dies beispielsweise bei Wirecard stärker der Fall. In den USA wurde nun über Chat-Foren wie "Wallstreetbets" und eben "Robinhood" eine Spekulation gegen diese Leeverkäufer diskutiert. Gerade bei den Aktien, die am stärksten leerverkauft sind. Ein gezielter Angriff auf die Hedge Fonds.

Mit Erfolg: Die Aktien schossen in den letzten Wochen durch immer weitere Käufe tausender Kleinanleger nach oben. Für die Hedge Fonds hat dies massive Verluste bedeutet. Sie mussten nämlich ebenfalls kaufen, um ihre Verluste zu begrenzen. Sich also "eindecken". Die Kurse explodierten förmlich bis auf etwa 500 Dollar in der Spitze. Eine irre Bewegung, die sehr viel Aufmerksamkeit und noch mehr neue Käufer hervorbrachte. Getreu dem Motto: Da muss ich dabei sein.

Wie im Kasino

Nun ist es so, dass sich eben jene Hedge Fonds irgendwann eingedeckt und ihre Short-Positionen geschlossen hatten. Sie müssen und werden nicht mehr kaufen. Die Spekulanten der ersten Stunde haben ihre Profite gesichert und wieder verkauft. Zurück bleiben Kleinanleger mit Anteilen eines Unternehmens, das kein Geld verdient, immer weniger Umsatz macht und dessen langfristige Existenz ernsthaft infrage steht. Der Kurs ist wieder auf 50 Dollar gefallen. Die Aussichten bleiben mau und neben den Hedge Fonds werden sich die verbliebenen Kleinanleger eine blutige Nase holen. Den Letzten beißen bekanntlich die Hunde.

Wir warnen daher davor, auf unbekannte Dritte in irgendwelchen Foren zu hören und die Börse sowie den Aktienmarkt als Kasino zu betrachten. Denn der Sinn einer Unternehmensbeteiligung ist eben nicht Spekulation, sondern Investition. Warren Buffet, einer der erfolgreichsten Investoren unserer Zeit, sagte nicht umsonst: "Wenn Du Dir nicht vorstellen kannst, eine Aktie für zehn Jahre zu halten, dann kaufe sie nicht einmal für zehn Minuten." Denn auch mit soliden Aktien kann man langfristig gute Renditen erzielen, so hat der deutsche Leitindex DAX dank solider Unternehmensgewinne in den letzten 25 Jahren etwa 8 Prozent Rendite pro Jahr eingebracht.

Hintergrund zur Gamestop-Ralley

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Zur Person: Robert Beer

Robert Beer ist Fondsmanager und Inhaber der Robert Beer Investment GmbH in Parkstein. Als Buchautor befasst er sich zudem seit den 1980er-Jahren mit der Wirtschaft und den Kapitalmärkten.

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