Meinung Das brüchige Krisenmanagement von Markus Söder

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Gesundheitsministerin Melanie Huml muss gehen. Ein Bauernopfer von Markus Söder? Der Ministerpräsident hat jedenfalls schon weit bessere Tage gesehen, meint Frank Werner.

Hier geht es raus: Noch-Gesundheitsministerin Melanie Huml und Ministerpräsident Markus Söder .
von Frank Werner Kontakt Profil

Was wurde Markus Söder für sein Corona-Krisenmanagement im Frühjahr 2020 gefeiert. Der Macher aus München stand kurz vor der Heiligsprechung. Konsequent und bürgernah - der Ministerpräsident wies für ganz Deutschland den Weg aus der Krise. Superman Söder ist mittlerweile mächtig die Puste ausgegangen. Bayern ist bei den Infektionszahlen keineswegs der bundesweite Musterknabe, der Start der Impfstrategie verläuft mehr als holprig.

Mit Gesundheitsministerin Melanie Huml ist nun im Freistaat die erste Ministerin über die Krise stolpert. Die Oberfränkin war spätestens seit dem Test-Desaster der Urlaubsrückkehrer im Sommer schwer angezählt. Ihre Behörde hat es danach nicht geschafft, den Hoffnungsschimmer durch den Impfstoff nachhaltig mit Leben zu füllen. Da wird viel zu viel auf die Kommunen abgewälzt. Von einem Krisenmanagement aus einem Guss und von der Ministerin nachvollziehbar gesteuert ist nichts zu sehen. Es wird viel zu viel Zeit vertrödelt und Vertrauen verspielt.

Huml ist nicht der einzige Schwachpunkt in Söders Kabinett: Zweiter Wackelkandidat ist Kultusminister Michael Piazolo. Der Ministerpräsident hat wirklich nicht zu viel verlangt, als er zum Schulstart wenigstens ein reibungsloses Funktionieren der Online-Lernplattform Mebis forderte. Piazolo hat es nicht geschafft. Da wurden Minister schon aus weit weniger schwerwiegenden Gründen gefeuert. Das Festhalten am Minister ist ein Zugeständnis an den Koalitionspartner, die Freien Wähler. Mehr nicht.

Der Gegenwind für Söder wird zunehmen, nicht nur wegen Pannen-Mann Piazolo. Viel zu viel wirkt nach Flickschusterei, die in Berlin beschlossen und in München abgenickt wird. So soll der Sturm auf die Ausflugsgebiete mit der 15-Kilometer-Fahrbeschränkung gestoppt werden. Das wirkt schon sehr willkürlich.

Die Regierenden reagieren immer kurzfristiger, sprunghafter. Sie setzen nur das um, was von der Mehrheit der Bevölkerung als unvermeidbar und gerade noch hinnehmbar angesehen wird. Für einen wirklich radikalen Lockdown fehlt der Mut. Oder - noch schlimmer - die Strategie.

Die meisten Menschen gehen den Weg der Politik nur noch mit, weil sie immer noch an Lösungen glauben, auf Perspektive hoffen. Mit jedem neuen Aktionismus wird dieses Vertrauen weiter schwinden. Vor allem Familien leiden. Wieder geschlossene Schulen, dafür die Faschingsferien gestrichen. Es nervt. Es fehlt der wirkliche "Masterplan". Noch ist es nicht zu spät dafür.

Faschingsferien gestrichen, Huml versetzt

München
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.