Désirée Nosbusch: „Die Landschaft lädt zu mystischen Gedanken ein“

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In zwei neuen „Irland-Krimis“ spielt Désirée Nosbusch wieder die Hauptrolle. Ein Gespräch über authentische Geschichten und erdverbundene Menschen

Désirée Nosbusch als Polizeipsychologin Cathrin Blake in den "Irland-Krimis".

Von Andrea Herdegen

ONETZ: Frau Nosbusch, Sie sprechen sechs Sprachen fließend …

Désirée Nosbusch: Fünf. Die sechste nur halb (lacht).

ONETZ: Wie sieht es, nach vier „Irland-Krimi“-Drehs, mit Gälisch aus?

Désirée Nosbusch: Gälisch sieht nicht nur exotisch aus, es klingt auch für unsere Ohren ausgesprochen andersartig und fremd. Selbst Iren aus Dublin tun sich sehr schwer, es zu lernen. Gälisch wird leider nicht meine siebte Sprache werden.

ONETZ: Es ist ja nicht nur ein ganz besonderer Menschenschlag, der da rund um Galway an der westirischen Küste lebt. Es ist auch eine grandiose Landschaft. Wie ist es, dort zu drehen?

Désirée Nosbusch: Es klingt vielleicht klischeehaft, aber es ist wirklich so: Als wir vor drei Jahren angefangen haben, in Galway zu drehen, habe ich mich gleich wie zu Hause gefühlt. Es ist ein sehr gastfreundliches und herzliches Volk. Wenn es einen akzeptiert, dann aber auch voll und ganz. Die Menschen sind stolz auf ihre Tradition, die Religion spielt eine größere Rolle als in der Stadt, und die Verbundenheit zur Natur ist sehr ausgeprägt. Die Landschaft lädt zu mystischen Gedanken ein. Ich habe das Gefühl, sie kriecht in mich hinein. Ich kann mich da sehr hineinsteigern. Ich liebe das Pure, Erdverbundene und Ehrliche, und das finde ich dort.

ONETZ: Die mystischen, oft eher düsteren Geschichten prägen ja den Inhalt der Reihe. Ist es Absicht, die kulturelle Prägung des Landstrichs in den Krimi zu übertragen?

Désirée Nosbusch: Gerade das Authentische an unserem Format hat mich gereizt. Die Zusammenarbeit mit den Iren. Es ist den Machern – und ich habe das große Glück, dass man mich mit einbezieht – sehr wichtig, dass wir respektvoll mit den Menschen und dem Land und seinen Bräuchen umgehen. Dieses spannende Konzept wäre mit einem komplett deutschen Team, das so tut, als sei es irisch, sehr wahrscheinlich nicht so aufgegangen. Aber zurück zu Ihrer Frage: Es gibt dort Familien, die seit Generationen verstritten sind, obwohl keiner mehr genau weiß, worum der ursprüngliche Streit eigentlich ging. Vieles sitzt in diesen Menschen ganz tief drin. Es wäre falsch, das auszulassen.

ONETZ: Das klingt, als wären Sie froh, diese Hauptrolle im „Irland-Krimi“ übernommen zu haben.

Désirée Nosbusch: Mir war wichtig, dass es einen Grund gibt, warum jemand an einem bestimmten Ort ist, warum man die Geschichte dort erzählen will. Das muss organisch und authentisch sein. Es hat natürlich auch eine große Wertigkeit, eine eigene Reihe haben zu dürfen. So etwas bekommt man nicht alle Tage angeboten. Und, was noch viel wichtiger ist: Ich bin in einem Team, das mir große Freude macht. Was gibt es Schöneres, als spannende Geschichten zu erzählen? Und wenn man die dann noch in Connemara erzählen kann – umso besser!

ONETZ: Auch um den seit Jahrzehnten schwelenden Nordirland-Konflikt und den blutigen IRA-Terror geht es im Film. Ist das ein Thema, das sich einfach nicht vermeiden lässt, wenn man in Irland dreht?

Désirée Nosbusch: Es ist ein Thema, das entweder totgeschwiegen wird oder das noch solche Wunden aufreißt, dass man aus der Diskussion gar nicht mehr herauskommt. Ich kannte das nur aus den Nachrichten. Wenn man dann wirklich vor diesen Mauern und Zäunen steht und sieht, wie tief dieser Hass heute noch sitzt, ist das sehr erschreckend. Wirklich erschreckend. Ich wusste nicht, dass das noch so ist. Dieses Erlebnis hat mir die Augen geöffnet.

ONETZ: Sie waren schon als Teenager ein Fernsehstar, wurden von einem Millionen-Publikum angehimmelt, waren dadurch aber auch zutiefst verunsichert. Wann haben Sie sich in Ihrer Rolle gefunden?

Désirée Nosbusch: Ich glaube, das ist ein ewiger Weg und Prozess. Auf jeden Fall ist es so: Je älter ich wurde, umso besser wurde es. Ich bin jetzt an einem Punkt in meinem Leben, wo außen und innen, also Hülle und Inhalt irgendwie passen. Ich habe das Gefühl, ich konnte mich freimachen von Äußerlichkeiten, die mich irgendwie immer eingeengt haben. Ich muss nicht mehr gegen ein Bild ankämpfen. Ich bin ganz demütig und wahnsinnig dankbar für dieses Geschenk, fast schon eine zweite Karriere machen zu dürfen. Für eine Frau in meinem Alter – und man muss schon mal sagen, wie ungerecht das alles ist – ist es nicht selbstverständlich, so tolle Rollen spielen zu dürfen.

ONETZ: Mit Mitte Fünfzig sind Sie in einem Alter, in dem bei vielen Kolleginnen die Rollen eher weniger werden. Bei Ihnen hat man das Gefühl, es geht gerade erst richtig los.

Désirée Nosbusch: Bei mir ist es so, dass ich schon gar nicht mehr weiß, wie ich das alles bewältigen soll, was ich gerade auf dem Tisch liegen habe. Ich komme mir teilweise schon ganz schuldig vor, weil ich weiß, wie viele Kolleginnen diese Chance gerade nicht bekommen. Es ist unfair, dass wir Frauen immer noch gegen so etwas ankämpfen müssen.

ONETZ: Mit dem Altern haben Sie keine Probleme, oder? Haben Sie je daran gedacht, sich operativ verjüngen zu lassen wie viele Ihrer Kolleginnen?

Désirée Nosbusch: Ich finde, ein Alterungsprozess geht innen und außen Hand in Hand. Würde ich außen etwas verändern, entstünde eine Diskrepanz. Und die ist, glaube ich, nicht gesund. Insofern: Für mich würde es nicht funktionieren, was aber nicht heißt, dass es nicht für jemand anderen gut ist. Ich möchte niemanden belehren. Aber es ist mir wichtig, dass ich mit mir ehrlich bin. Es ist okay, so auszusehen, wie man aussieht. Man kann in Würde altern. So wie meine Mutter und meine Großmütter es mir vorgelebt haben. Davon zehre ich. Ich hatte tolle Frauen in meinem Leben.

ONETZ: Derzeit pendeln Sie zwischen Deutschland und Luxemburg, Ihre Kinder Lennon und Luka leben weiter in Kalifornien. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Désirée Nosbusch: Ich musste mich vom klassischen Begriff der Heimat sehr früh in meinem Leben verabschieden. Die Heimat musste ich in mir finden. Das Leben, das man so kennt mit „Hier bin ich zu Hause, hier ist meine Arbeit, hier sind meine Liebsten“, das habe ich nie gehabt. Ich komme aus einem Land, in dem es meinen Beruf in der Form gar nicht gab. Wenn man das machen wollte, was ich machte, dann musste man gehen, auch, wenn man nicht gehen wollte. Insofern: Heimat ist in mir. Heimat ist da, wo die Menschen sind, die ich liebe.

Hintergrund:

Zur Person: Das ist Désirée Nosbusch

  • Die Luxemburgerin Désirée Nosbusch, geboren am 14. Januar 1965 in Esch, stieg Ende der 1970er-Jahre zur Star-Moderatorin im Fernsehen auf („Musicbox“)
  • Sie absolvierte eine Schauspiel- und Regie-Ausbildung und lebte lange in den USA. Sie produziert selbst Filme, arbeitet weiter als Moderatorin und wird als Schauspielerin immer beliebter und erfolgreicher (Grimme-Preis für „Bad Banks“)
  • Nosbusch ist seit 2018 in zweiter Ehe mit dem Kameramann Tom Bierbaumer verheiratet. Sie lebt in Luxemburg und Berlin
  • Darum geht's in den "Irland-Krimis": Die sensible Polizeipsychologin Cathrin Blake (Désirée Nosbusch), die mit den Schatten der Vergangenheit zu kämpfen hat, setzt ihre Arbeit als externe Beraterin der irischen Polizei fort. Ihre besondere Beobachtungsgabe ist in Teil drei gefragt, um das Leben einer entführten Teenagerin zu retten und ihrem traumatisierten Vater beizustehen. Die vierte Folge führt Blake nach Nordirland, wo die Wunden des bewaffneten Konflikts immer noch tief sitzen. Noch nicht alle Rechnungen sind beglichen.
  • „Der Irland-Krimi: Das Verschwinden“ läuft am Donnerstag, 25. März, um 20.15 Uhr im Ersten (in der Mediathek ab 22. März, 20.15 Uhr)
  • „Der Irland-Krimi: Vergebung“ folgt am Donnerstag, 1. April, um 20.15 Uhr (in der Mediathek ab 29. März, 20.15 Uhr)

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