Meinung: Endlich, Deutschland kümmert sich um seine Kolonioalgeschichte in Afrika

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Völkermord verjährt nicht: Deutsche und europäische Kolonialverbrechen hemmen bis heute die Entwicklung afrikanischer Staaten. Jürgen Herda kommentiert die Anerkennung des Völkermords an Herero und Nama.

Der Vorsitzende des Zentralrates der Afrikanschen Gemeinde, Moctar Kamara, während einer Pressekonferenz des Bündnisses "Völkermord verjährt nicht". Anlass war die bevorstehende Übergabe von Gebeinen namibischen Ursprungs durch die Charité an eine namibische Staatsdelegation.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Ein Verbrechen, das den Namen Völkermord verdient: Etwa 70 Prozent der Herero und 50 Prozent der Nama - insgesamt über 70 000 Menschen - wurden zwischen 1904 und 1908 von deutschen Kolonialtruppen auf Befehl Generalleutnants Lothar von Trotha erschossen, dem Verdursten ausgesetzt und in Konzentrationslagern umgebracht. Der erste Genozid im 20. Jahrhundert und schreckliches Omen, wozu Deutsche später fähig sein würden.

Schädel für Rassenforschung ausgekocht

Die Erinnerung an die Verbrechen der deutschen Truppen sind bei den Nachfahren der Opfer noch heute schmerzlich lebendig: Familien, die gezwungen wurden, die Schädel ihrer Verwandten für die deutsche Rassenforschung auszukochen, finden die Reste ihrer Verwandten in der Berliner Charité.

Viele würden diese dunklen Kapitel der Geschichte gerne ruhen lassen. Aber Massenmord kennt keine Verjährung. Nicht nur die deutschen, die europäischen Kolonialverbrechen haben brutale Spuren hinterlassen: Nama und Herero wurden durch den "Vernichtungsbefehl" auf 10 bis 15 Prozent der damaligen Bevölkerung reduziert. Sie sind heute eine Minderheit, die von der regierenden SWAPO - dominiert von der größten Ethnie, den Ovambos - nicht in die Verhandlungen eingebunden wurden.

Modellfall für deutsche Entwicklungshilfe

Deshalb hält sich die Begeisterung der Herero und Nama über die späte und halbherzige Anerkennung des Völkermords ohne rechtliche Bindung in engen Grenzen. Dabei böte eine enge, besondere Partnerschaft auf Augenhöhe mit der ehemaligen deutschen Kolonie auch Chancen für die Bundesrepublik.

Das Land mit 2,5 Millionen Einwohnern könnte zu einem Erfolgsmodell der deutschen Entwicklungshilfe werden. Und zeigen, dass sich nicht nur China um den afrikanischen Kontinent bemüht.

Deutschland sucht die Versöhnung mit Namibia und den Nachfahren der Opfer

Deutschland und die Welt
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.